In die Montes de Oca – Neue Freunde statt Banditen

Habe in Redecilla ganz ordentlich geschlafen. Morgens ging es weiter, allein. Nach einer Weile dachte ich, dass eine ganz nette Deutsche nur wenige hundert Meter vor mir ist. Ich gab also etwas (Fuss-)gas, um mal wieder ein nettes Gespraech unterwegs zu haben. Als ich aufgeholt hatte, war sie es aber nicht. Es war eine Italienerin, die aber sehr gut englisch sprach: Stephanie aus Milano, Kinderpsychologin. Wir hatten so ungefaehr ein Tempo und schnell entsponn sich ein sehr gutes Gespraech: Ueber Ehe und Familien, Kinder und Erziehung und die Gelegenheit, auf dem Camino ueber all das nachzudenken. Ueber eine Stunde (also rund vier Kilometer) sprachen wir, ehe wir eine Pause in einem kleinen Weiler machten.

img_5219_bildgrose-andern.JPG
Das neue Team: Andre (Brasilien), Detlev (Deutschland), Stephanie (Italien) und Lizzy (England)

Nun stiess Andre dazu, der nette Brasilianer aus Brasilia. Andre hat spanisch studiert und spricht ebenfalls sehr gut Englisch. Ihn hatte ich bereits einige Male auf dem Camino getroffen oder ueberholt, oder er hatte mich ueberholt. Da waren wir drei, die den Weg fortsetzten. Kurz darauf stiess Lizzy aus dem Norden Londons dazu, eine Psychiatriekrankenschwester, die wie Andre den ganzen Camino gehen will. Stephanie ist im letzten Jahr bereits von Leon nach Santiago gegangen und besitzt bereits eine Compostela. Sie will aber trotzdem den kompletten Weg gehen.

Unterwegs tranken wir ein Bier, denn es war sehr warm. Vor allem achtete ich nach der durstigen Tour nach Granon jetzt darauf, immer genug Wasser dabei zu haben. Wir spuerten sofort, dass wir ein gutes Team sind und hatten auf Anhieb viel Spass miteinander. Nun war ich sozusagen der Protestant in einem katholischen Team.

img_5195_bildgrose-andern.JPG

Morgendlicher Aufbruch in Redecilla de Camino

In Villamayor Montes de Oca nahm ich in einem kleinen Fernfahrerhostal fuer 20 Euro ein Zimmer. Das Bad und die Toilette auf dem Flur, was mir noch zum Verhaengnis werden sollte. Nach einer kurzen Dusche, der Einnahme meines letzten Magnesium (ich haette mehr mitnehmen sollen, Brigitte) und einer ordentlichen Voltaren-Massage ging es in hinunter in die Bar El Puerto.

Gemeinsam nahmen wir dort ein Lunch ein: Eine der besten Paellas, die ich je gegessen habe, einen Merluza con Salsa und einen leckeren Flan, den typisch spanischen Pudding mit Karamellsosse. Dazu gab es einen guten Tinto, Pan und Aqua, und das alles fuer neun Euro. Nun wusste ich, wieso so viele Fernfahrer eingekehrt waren. Die staendigen Trucks auf der Strasse waren allerdings doch recht nervig.

img_5206_bildgrose-andern.JPG

Die wunderschöne Kirche in Belorado – von Störchen bewohnt

Es entsponn sich noch ein nette Gespraech, und so hatte ich nur noch eine Stunde Pause bis zum Diner. Fuer ein kleines Geld dann nochmal Calamares und eine Flasche Rioja. Lizzy und Andre kamen gerade noch zum Pilgerumschluss nach Hause… Morgen sollte es dann in die Montes de Oca gehen, wo in den alten Pilgerfuehrern vor Banditen gewarnt wurde. Auf ueber 1150 Meter steigt der Pass dort an, umrahmt von 2000ern.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Granon waere ein Erlebnis gewesen

Die Herberge sieben Kilometer hinter Granon mit den duennen Matratzen im ersten Stock der Kirche haette ich doch nehmen sollen. Zum einen waren die Matratzen wohl doch ganz bequem und der Abstand zum naechsten Pilger ebenso. Und Schnarcher sollen auch nicht dabei gewesen sein. Zum andern hat der oertliche Padre abends fuer die ganze Pilgerschar gekocht. Dann hat jemand Gitarre gespielt und es wurde gemeinsam gesungen. Da habe ich dann noch was verpasst. Ausserdem haette ich mein naechstes Pilgerteam schon frueher kennengelernt, denn die schliefen da. Dazu aber spaeter mehr…

img_5190_bildgrose-andern.JPG

Die Schuhe der Pilger in der Kirche von Granon

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Kein Bett in Santo Domingo de la Calzada

Ganz kurz, denn ich muss die Kuehle des Morgens nutzen. Mittags wird es hier im Randbereich der Meseta richtig heiss. Gestern bin ich von Navarette los in Richtung Najera. Dann ging es mit dem Bein wieder los, also bin ich von Najera ein kleines Stueck nach Santo Domingo de la Calzada gefahren. Eine der aeltesten Staedte am Weg, wo in der Kathedrale seit langem zwei Huehner gehalten werden. Aber dort waren die Feiern des heiligen Santo Domingo.

img_5178_bildgrose-andern.JPG

Große Party für den Pilger-Helfer – aber kein Bett für die Pilger

Kein Bett bei den Zisterzienser-Nonnen, keins in der tausend Jahre alten Herberge. Schliesslich auch keins in den zahlreichen Hotels. Alles voll. Meinem Bein ging es wieder besser, also weiter wandern. Nach weiteren sieben Kilometern, ich glaube ich war an diesem Tag schon an die dreissig gelaufen, kam Granon – ein sehr kleiner Ort. Die letzten Kilometer hatte ich kein Wasser mehr, ich hatte vergessen in Santo Domingo etwas zu kaufen. Also wusste ich nun auch was Durst in der Meseta ist.

img_5193_bildgrose-andern.JPG

Hinweisschild an der Grenze zur Region Castilla y Leon

Oben im ersten Stock der Kirche gab es duenne Matten. Eng an eng. Und es wurden immer mehr, die von Santo Domingo ausweichen mussten. Das war nichts fuer mich. Einen Kilometer weiter sollte es eine Jugendherberge geben, sagten mir andere Pilger. ich ging weiter, aber nach einem Kilometer war nichts. Erst in Redecilla de Camino gab es eine nette Pilgerunterkunft mit 8-Bett Zimmern. Abends gab es ein Pilgermenu – alles gegen eine Spende, die von den Deutschen in der Regel ordentlich ausfiel.

Heute morgen geht es weiter, ich bin jetzt rund 50 Kilometer vor Burgos, meinem Ziel fuer dieses Jahr. Adios!

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Navarette – Weg der Leiden

Ein Spanier meinte eben zu mir: Die „Flechas samarias“, die gelben Pfeile, brauchen wir gar nicht mehr. Wir koennen einfach dem Geruch des Voltaren Gels nachgehen. Und so ist es auch bei mir. Logrono koennte eine so schoene Stadt sein – wenn meine Oberschenkel nicht waeren. Jetzt kommt wohl der Tribut des Flachlandtirolers – aber nach ueber 200 Kilometer ueber Berge und Taeler? Es muss wohl an den Trennungen liegen. War es nach der Trennung von Paul hinter Pamplona das leichte Herzsausen, sind es jetzt die Oberschenkel. Es ist eine veritable Muskelzerrung im rechten Oberschenkel, die ich mir eigentlich gar nicht richtig erklaeren kann.

Auf einer Steigung vor Logrono merke ich ploetzlich ein leichtes Ziehen im rechten Bein. Am Stand von Doña Felicia Rodriguez Medel, Gott habe sie selig, schlaegt der Schmerz voll zu. Vermutlich habe ich zuviel ueber Hape Kerkeling gelaestert und das wird mir jetzt heimgezahlt. Doña Felicia ist nicht mehr. Das ist die Frau am Stadtrand von Logrono, die Hape von ihrem Enkel aus Minden erzaehlt hat. Ein Messingschild wuerdigt jetzt ihr Wirken vom 3.11.1910 bis zum 20.10.2003. Ihre Tochter, etwas wortkarg, hat den Job uebernommen und drueckt jedem vorbei eilenden Pilger gegen einen kleinen Obulus einen Stempel in den Pilgerpass. „Uletreia e Suseia“ fuer Doñna Felicia.

img_5125_bildgrose-andern.JPG

Jetzt wird der Stand von Dona Felicia von ihrer Tochter weitergeführt
Ich habe mich in Viana von den dos Hildes trennen muessen. Christhilde hat drei Blasen an ihrem Fuss und Hildegard hat sich aus Solidaritaet eine Magenverstimmung genommen. Nun ist es besser fuer beide, in Viana eine Pause zu machen. Und ich bin wieder allein. Desweiten wohl auch mein Bein. Schade, es war so nett mit den beiden Rheinlaenderinnen. Ich waere gerne noch weiter mit ihnen gegangen. Da hatte Christhilde mit dem Nachnamen einer von mir gern getrunkenen Biersorte ihr 600 Quadratmeter-Haus gegen die Massenunterkuenfte am Camino eingetauscht und jetzt bremsen so ein paar Blasen den Weitermarsch. Aber auch das ist der Camino.

img_5123_bildgrose-andern.JPG

Eine Erinnerung an Dona Felicia

Nach der Stempelstelle in Logrono muss ich erstmal Gas geben, sonst sind die Farmacias zu. Ich erreiche gerade noch eine und kaufe ein grosse Tube des Schmerzmittels, das eine der wichtigsten Einrichtungen der Pelegrinos ist. Nachdem ich mir die tolle Markthalle in der Stadt angeschaut habe, geht es in den Park. Dort schmiere ich mir die halbe Tube auf die Schenkel. Meine Hand ist bereits sediert, aber der Schenkel schmerzt noch.

Also gehe ich in eine kleine und proppenvolle Bar an der Markthalle. Ich bestelle mir ein Omelett mit Gambas und ein grosses Bier ( alles zusammen 4,50 ). Weil ich so offensichtlich hinke,wird mir ein Stuhl freigemacht. Ich esse und trinke und meine Stimmung hellt sich langsam auf. Vielleicht noch einen Tinto und alles ist wieder gut? Draussen brennt die Sonne – nun schon seit drei Tagen. Das waere eindeutig ein Gegenargument.

Egal – entweder die Schmerzen werden besser, oder ich muss sowieso zum Busbahnhof. Also den Rioja, der ja schliesslich von hier, der Hauptstadt des Rioja kommt. Und es ist ja auch nur ein kleines Glas. Fuer nur 60 Cent erhalte ich das edle Getraenk, das mich nicht enttaeuscht. Gehaltvoll, fruchtig, leichte Tannine und frisch – was will man mehr? Die Stimmung steigt noch mal erheblich. Die Neigung zum Busbahnhof aber auch. Immerhin bin ich 190 Kilometer gelaufen, da kann man doch mal…

img_5132_bildgrose-andern.JPG

In der Markthalle von Logrono

Schliesslich muessen Pilger ja nur 100 Kilometer nach Santiago laufen und ihre Wuensche werden wahr. Hapes Argumente fuer alternative Verkehrsmittel werden mir mit jedem Schluck plausibler. Aber wir haben Mittwochmittag, den 9. Mai. Da kann man noch was schaffen!

Zunaechst geht es ziemlich oede aus der Grossstadt heraus. Das haette ich mir wirklich auch schenken koennen. Aber egal. Gleich komme ich in ein Naherholungsgebiet. Das kommt auch, die Schmerzen aber auch. Sie werden immer schlimmer. Erst denke ich, es ist Schweiss, der mir aus den Augen laeuft. Ist es aber nicht. Egal, weiter .

Hat mir morgens Karajan den Tag versuesst, ist es jetzt Sting mit seinen altenglischen Lautenliedern. Ich stelle mir die Pilger im 15. Jahrhundert vor, aber es wird nicht leichter. Dann geht es auch noch an der Autobahn vorbei. An dem Zaun zur Autobahn haben Pilger viele Kreuze eingeflochten. Ich flechte auch eins ein, vielleicht hilft das ja gegen die Schmerzen. Tut es aber nicht, sie werden schlimmer. Wann endlich kommt Navarette? Da taucht es am Horizont auf und es ist noch verdammt weit. Und mal wieder runter und hoch in den Ort.

img_5148_bildgrose-andern.JPG

Tausende von Kreuzen haben Pilger in den Zaun geflochten

Vor Navarette gibt es die Ruine eines alten Pilgerhospitals. Wenn das da noch stuende, wuerde ich mich jetzt da reinlegen, denke ich. Ich lege micht trotzdem rein, um meine Knochen mal zu entlasten. Dazu habe ich schon seit Stunden nichts mehr getrunken. Das Wasser in dem Brunnen in La Graneja war derart gechlort, dass es ungeniessbar ist. Aber mein Wassersack ist jetzt sicherlich keimfrei!

Endlich bin ich in Navarette und erleide den naechsten Schock: Alles ist complet – ausgebucht. Ich gehe zur letzten Herberge im Ort und der Wirt zuckt mit den Schultern. Aber dann zeigt er mit sein letztes Bett. Es ist in der Garage. Das Tor ist nicht ganz unten und ich kann auf die Strasse sehen. Aber bis zum naechsten Ort sind es sieben Kilometer. Also in die Garage, wo schon eine Polin und ein Deutscher untergekommen sind. Der Wirt und seine Tochter Irena sind supernett. Zur Begruessung gibt es einen Rioja vom Haus und Irena klebt mir meinen zerrissenen und vom Regen geschundenen Pilgerpass wieder zusammen. Wir machen ein Foto und ich verspreche ihr, das Foto per Email zu senden. Und ich erzaehle ich von meiner Tochter Grete, die genauso alt ist. Dann geht es zum Duschen und schliesslich zum Tagesabschluss das obligatorische Pilgermenu.

img_5153_bildgrose-andern.JPG

Beim Pilgermenu in Navarette treffe ich Eduard aus Belgien wieder, den ich in den Pyrenäen kennengelernt habe

Meine Berichte sind aus folgendem Grunde unterschiedlich lang: Manchmal gibt es fuer einen Euro 16 Minuten oder, so wie jetzt, 25 Minuten. Dann ist es genug. Es soll ja nicht in Arbeit ausarten. Spaeter schreibe ich zu Hause (mit deutscher Tastatur) einiges von meinen Erlebnissen dazu. Wer mir etwas schicken moechte: kaldinski@web.de Meine Adresse zuhause wird immer automatisch abgerufen, da kann ich nicht drauf zugreifen! Also: Buen Camino und schoene Gruesse nach Deutschland.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Viana – kurz vor Logrono

Schritt fuer Schritt setzte ich – mit inzwischen fast 200 Kilometern in den Beinen. Der Muskelkater, in den Oberschenkeln vor allem, macht sich immer mehr spuerbar. Aber ich habe immer noch keine Blasen und die Fuesse funktionieren. Nicht wenige mussten schon aufgeben oder ein Pause einlegen. Uebrigens: nur 15 Prozent der Pilger, die in Frankreich losgegangen sind, kommen an.

img_5004_bildgrose-andern.JPG

Wein und Oliven vor Viana
Die Grossunterkunft in Los Arcos war eigentlich gut, trotz der vielen Betten konnten wir gut schlafen und waren ausgeruht. Kaum Schnarcher im Raum – das ist selten. In der Pilgerunterkunft versahen zwei Wienerinnen Dienst an den Pilgern. Eine ist Krankenschwester und musste einige wunde Fuesse verpflegen. Auch bei einem der aelteren Mitpilger, der immer mit flottem Fuss unterwegs ist, hatte sich vorn die Haut vom Ballen geloest. Souveraen hat die Oestereicherin mit viel Pflaster und Compeed die Aufgabe geloest.

Schwieriger war es schon bei Christhilde, die gleich zwei Blasen zu versorgen hatte. Die Krankenschwester hat das toll gemacht. Ueberhaupt waren alle in der Casa Austria sehr nett. Abends haben wir dann noch am Platz nett gegessen. Mit dabei auch Matthias aus Sueddeutschland, der sogar ein weisses Hemd dabei hat. Er schlaeft immer in Pensionen, weil er so schnarcht und die anderen nicht stoeren will. Pasta und Salat und einen 98er Rioja Crianza gibt es, schliesslich sind wir ja hier im Rioja. Und weil wir so guenstig untergekommen sind habe ich mir noch einen Conde de Osborne und eine Cigarillo geleistet. Ich bin ja schliesslich kein Muschelbruder… Um 22 Uhr mussten wir im Bett sein, dann wurde das Licht ausgemacht. Schliesslich geht es morgens um 6.00 Uhr wieder an, um kurz vor 7.00 Uhr gibt es das Fruestueck und dann geht es los. Fuenf Sterne fur die Casa Austria/La Fuente!

Im Laden schnell noch etwas Brot und Kaese und dann wieder: Klack, Klack von den Stoeckern und ein kraeftiges Auftreten auf den jetzt zumeist geschotterten Strecken. Immer wieder gibt es mal einen unbefestigten Aufstieg, an dem man ordentlich ins Schwitzen kommen. Wir sind jetzt mitten im Weingebiet und so waechst zumeist Wein um uns herum, mitunter auch Getreide. Dazu hoere ich das Hoerbuch von Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg. Alles ist gruen, dazwischen viel Klatschmohn, der mit seiner tiefroten Farbe der Landschaft immer wieder eine besondere Note gibt. Immer wieder mal ein Foto, um die tollen Eindruecke festzuhalten. Leider haben die Internetcafes keine Kartenslots, so dass ich keine Bilder mehr hochladen kann.

img_5096_bildgrose-andern.JPG

Ein kleiner Laden in Torres del Rio

In einem kleinen Dorf gab es einen kleinen Laden, wo Oma und Opa die Waren aus einer Luke herausreichen. Auf dem kleinen Platz des Ortes koennen wir essen und trinken. Leider gibt es nur selten offene Cafes. Ueberhaupt gibt es wenig Orte an der Strecke. Gestern sind wir bis Los Arcos 12,5 Kilometer ohne Ort gelaufen – aber auch durch eine wunderschoene Landschaft.

img_5093_bildgrose-andern.JPG

Feldarbeit – von Hand gemacht

In Viana angekommen hat sich Christhilde eine dritte Blase zugezogen. Die Pilgerherberge hat nun dreistoeckige Betten. Das ist nun doch etwas zuviel, denn damit steigt die Chance Schnarcher dabei zu haben, erheblich. Also nehmen die beiden Hildes und ich uns wieder ein 3-Bett-Zimmer in einer Pension. Allerdings geraten wir mit dem San Pedro an eine die drei Minuszeichen verdient. Ein kleines Zimmer und ein grauenvolles Bad, und das fuer 60 Euro, also 20 fuer jeden. Da waren die 10 Euro mit Fruehstueck gestern in der Casa Austria geschenkt. Die beiden erfahrenen Ruhestaendlerinnen haben erstmal eine Waescheleine quer durch das Zimmer gespannt. Da muss ich jetzt immer den Kopf einziehen.

Gleich werden wir ein Pilgermenue geniessen – natuerlich mit Rioja, der ja von hier kommt. Morgen geht es dann weiter nach Logrono. Soll aber nach Ansicht vieler nicht so schoen sein. Vielleicht fahren wir auch mal ein kleinens Stueck mit Bus oder Bahn. Bis jetzt bin ich ja im Gegensatz Hape Kerkeling jeden Zentimeter gegangen. Ich glaube, er hatte hier noch keine 30 Kilometer unter dem Schuh… Hoffentlich kann Christhilde mit ihrem Fuss weitergehen! In den naechsten Tagen hoffe ich in Burgos anzukommen und ich gehe davon aus, dass ich noch weiterkomme, ehe es fuer dieses Jahr auf dem Jakobsweg Schluss ist. Eines ist klar: Ich werde den Weg auf jeden Fall zu Ende gehen. Buen Camino!

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Angekommen in Los Arcos – ein himmlischer Tag

So um 17 Uhr sind wir in Los Arcos angekommen, nachdem wir den ganzen Tag gewandert sind. So einen wunderschoenen Tag hatte ich auf der ganzen Tour bislang nicht. Nicht zu warm, aber Sonne. Ein tolles Licht zum Fotografieren, schoene Stopps und immer noch gesund. Was will man mehr.

img_5069_bildgrose-andern.JPG

Die Landschaft vor Los Arcos ist wunderschön

Die „dos Hildes“ haben mir Glueck gebracht! Wir sind in einem Tempo unterwegs. Manchmal ist die eine vorne, manchmal ich, manchmal gehen wir zusammen. Wir nutzen die Zeit immer wieder mal, um auch allein zu sein.

img_4997_bildgrose-andern.JPG

Hinter Los Arcos geht es steil herauf – im Matsch

Christhilde (oder Hilde 2) hat auch einen MP3-Player mit und hoert ebenfalls die Gregorianischen Gesaenge. Auf einem solche Weg mit soviel Geschichte unterwegs zu sein und dann diese Musik. Die vielen Gruens auf wogenden Huegeln, auf denen mal eine Ruine oder mal ein Dorf mit einer alten Kirche steht. Eine traumhaftere Landschaft kann es kaum geben. Jetzt sind wir in der Pilgerherberge La Fuente in Los Arcos mit Schlafsaelen, aber sonst mit allem ausgestattet. Heute gibt es mal eine Waschmaschine mit Trockner fuer die Waesche. Vom Equipment her bin ich gut ausgestattet. Alles passt, nichts ist zuviel (bis auf die Isomatte, die ich Pamplona gelassen habe). Ich bin zufrieden mit mir und meinen Vorbereitungen.

Mit den anderen Mitpilgern ist das wie mit dem Hasen und dem Igel. Manchmal wundert man sich, wo sie jetzt wieder herkommen. Einige lassen ihr Gepaeck (und manchmal wohl auch sich selbst) fahren. Einige Deutsche sind so seit Jahren immer zwei Wochen unterwegs. Aber das sind nicht die echten Pilger, die ihr Gepaeck nicht tragen…

In Villamayor sind wieder viele der Pilger, die ich seit Roncesvalles getroffen habe zusammen: Der Mann mit dem Schaeferhund, der wacker durchhaelt. Das amerikanische Ehepaar. Eine der Franzoesinnen aus dem Refugio Orisson musste zurueckbleiben. Sie hat erhebliche Probleme mit einem Fuss. Die hat Christhilde aber inzwischen auch. Eine grosse Blase an der Ferse und eine am Zeh. Die Franzoesin gibt ihr einiges von ihrem speziellen Verbandmaterial. So sind sie, die Pilger…

img_5078_bildgrose-andern.JPG

Fußpflege durch eine österreichische Hospitalera – vielen Dank für alles!

Ich verpflastere Hilde und schneide ihre orthopaedischen Einlagen neu zu. Die anderen Mitpilger in der Kneipe schauen unserem Treiben interessiert zu. Nun geht es besser und wir koennen uns auf den 12 Kilometer langen wasserlosen Marsch nach Los Arcos in Navarra machen. In Los Arcos angekommen werden wir uns erstmal nach einem schoenen Platz fuer ein Abendessen umschauen. Kurz hinter Estella gab es bereits eine Weinquelle beim Koster Irache. Dort koennen sich die Pilger wie in alten Zeiten Wein abfuellen. Dann geht es beschwingt weiter.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Von Obanos durch Puente de Reina nach Estella

Wann endlich gibt es hier mal ein flaches Stueck. Immer geht es hoch oder runter. Immerhin ist es inzwischen trockener geworden. Und ich bin hier – in Lorca, einige Kilometer vor Estella.

In Pamplona hatte ich im Hostal Eslava geschlafen. Mit Blick auf die Nonnen unten in der Monasterio. Abends sind Paul und ich erstmal ein Bier trinken gegangen. Im Hemingways, wo man mit dem alten Herren – in Bronze – ein Bier trinken und eine Zigarre rauchen kann. Haben wir dann natuerlich auch gemacht. Danach haben wir im altehrwuerdigen Iruna nebenan gegessen, wie Ernest seinerzeit schon. Am naechsten Morgen ist Paul dann nach Leon und ich bin weitergegangen.

img_4955_bildgrose-andern.JPG

Steil und matschig ist es zum Pass de Pedon – Fallen ist keine Schande

In Pamplona war der Weg gut ausgeschildert. Schnell ging es aus der Stadt heraus. Und dann – wieder Regen… Regenhose an, Regenhose aus. Und immer auf den steilen Pass von Pedon zu. Ploetzlich bekam ich einen unnatuerlich schnellen Puls. Ich dachte schon ich muesste aufhoeren. Dabei bin ich auf meine Pumpe eigentlich immer so stolz mit meinem niedrigen Ruhepuls und meiner schnellen Erholungszeit nach Belastungen. Nun dauerte es laenger als mir lieb war. Und das vor dem beruechtigt steilen Pass. Also erstmal eine Pause und in mich reinhorchen. Nach einer Viertelstunde ging es dann wieder. Da auf dem steilen und unheimlich rutschigen Passanstieg – ohne Stoecker ging nichts – alles OK war, bin ich weitergegangen. Jeder bekommt auf dem Camino irgendwann Probleme – Blasen, ein Wolf, Muskelprobleme, etwas mit den Sehnen, Erkaeltung und so weiter. Jetzt ist bis auf die allgemeine Erschoepfung wieder alles OK.

img_4961_bildgrose-andern.JPG

Auf dem Pass das Pilgerkunstwerk

Der Pass war im Anstieg sehr grenzwertig. Irgendwie fehlte mir Paul auch. Ich ging den ganzen Tag bis fuenf Uhr allein bis Obanos, kurz vor Puente la Reina. Dort bin ich dann in die Pilgerherberge mit vierzig Betten in einem Raum. Gute Dusche, Waeschewaschen und auch eine schoene Bar. Erstmal bin ich zu Fuss nach Eunate am Aragonesischen Weg. Beide Wege kommen hier in Obanos zusammen. Wer mir das vor ein paar Jahren gesagt haette, dass ich erst ueber zwanzig Kilometer laufe und dann noch sechs um eine Kirche anzuschauen…

img_4975_bildgrose-andern.JPG

Eunate – eine Templerkirche mit großer Mystik

Eunate, eine achteckige Kirche aus dem 12 Jh., von den Tempelrittern erbaut, war es wert. Welche klaren Formen und welche unvergleichliche Geschichte. Dann zurueck in die Bar. Dort traf ich > dos Hildes <. Die beiden Frauen aus Moenchengladbach, beide haben sich gerade zur Ruhe gesetzt, haben Paul abgeloest und sich jetzt meine Reisebegleiterinnen. Die Kirche in Puente la Reina ist wunderschoen, so viel Gold habe ich lange nicht mehr gesehen. Als ich eintrat war gerade Messe. Schnell nahm ich meine Kappe vom Kopf, aber da gab es schon boese Blicke. Heute hatte ich den ersten richtig trockenen Tag. Aber auch einen Anstieg, der noch matschig war, der es in sich hatte. Gestern haette ich den nicht haben muessen. Gleich geht es weiter nach Estrella. Vielleicht wollen wir drei Kilometer hinter Estrella in eine Pilgerherberge. Immer antizyklisch sein, so finden man am besten ein Bett. Buen Camino!

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Durch das franzoesische Tor nach Pamplona

Das war heute die haerteste Tour bislang. Ueber 20 Kilometer durch Matsch und Wasser, ueber Steine, bergab und bergan. Ueberhaupt ist es weiter sehr bergig und steil – rauf wie runter. Ohne Stoecker ist es fast nicht zu machen. Es hat den ganzen Tag geregnet. So sind die Fluesse uebergetreten und aus dem Camino ist fast ein einziger Bach geworden. Fuer viele heisst das heute: Blasen und Scheuerstellen. Den wenn die Fuesse erst nass sind, und das waren sie heute bei den meisten unterwegs, sind Blasen fast kaum noch zu vermeiden. Jedenfalls nicht bei ueber 20 Kilometern Fussmarsch. Dazu war natutuerlich alles mal wieder nass und schmutzig. Habe also gerade mal wieder grosse Waesche gemacht. Die matschigen Stiefel im Bidet, danach Grossreinemachen im Bad. Ich bin naemlich heute nach den Erfahrungen von letzter Nacht – der Mensch muss ja auch mal schlafen – mit in Pauls Hotel gegangen. Ein kleines Hostal mit toller Einrichtung und einmaliger Lage an der Stadtmauer fuer etwas ueber 30 Euro. Da hat Paul schon ein Haendchen, muss man sagen. Er diese Locations vorher mit dem Auto erkundet. Von seinem Zimmer oben hat man einen tollen Ausblick ueber die Stadtmauer und die Stadt. Ich hoffe, nachher ein Foto machen zu koennen.

Auch die anderen Sachen von heute musste ich waschen alles war schmutzig und ziemlich durchgeschwitzt. Aber das waere es bei Hitze ja auch. Hinter Zubiri gab es nichts mehr zu essen, nur die Snacks die wir noch im Rucksack als eiserne Reserve hatten. Fruehstueck gab es auch schon nicht, nur einen Cafe aus dem Automaten und einen Keks. Kurz vor Pamplona dann ein Cafe. Das Gespraech hatte sich schon seit vielen Kilometern nur auf den Bach unter unseren Fuessen, Cafe con Leche und Bocadillos beschraenkt. Wie bescheiden man doch wird…

Gestern abend haben wir noch ueber das Grab eines Japaners am Weg vor Zubiri gesprochen. Es wird wohl eher eine Gedenkstaette sein. 64 war er als er auf dem Camino starb. Ein Deutscher, der den Weg zum zweiten Mal gegangen ist, traf ein Jahr spaeter 2003 einen anderen Japaner in der Naehe und fragte ihn, ob er ihn gekannt habe. Ja, antwortete der Japaner, er war mein Lehrer. Der Japaner war ein Shintopriester – auf dem Camino Frances. Offensichtlich hat der „Heilige Weg“ auf viele, auch viele Religionen eine besondere Wirkung. Auch ich kann mich dem nicht ganz entziehen. Immerhin geht man auf ueber tausend Jahren Geschichte. Wie schwer muss es fuer die Menschen in einfachen Sandalen und Pelerinen gewesen sein, die fast tausend Kilometer zu gehen? Welche Kraft muss dahinter gesteckt haben und welche Inspiration. Sie ist auch fuer uns gegenwaertig, mit unserer Goretex-Bekleidung und unseren High-Tech-Schuhen.

img_4877_bildgrose-andern.JPG

Das Denkmal für den Japaner – ein Shintopriester?

Irgendwann ist man nur nach am Gehen – immer in eine Richtung. Fuer alle, die ich bislang getroffen habe, kommen Zwischentrips mit dem Bus oder der Bahn nicht in Frage. Sie gehen, egal wie schlecht das Wetter ist. Vorhin habe ich mit der aeltesten Pilgerin gesprochen. Sie ist 77, wird voraussichtlich in Burgos 78 Jahre alt. Letztes Jahr war sie todkrank, sagt sie. Sie konnte nicht mal mehr zum Einkaufen gehen. Wenn sie wieder gesund wird, versprach sie (betete sie?), gehe sie nach Santiago de Compostella. Sie wurde gesund, jetzt ist sie unterwegs. Sie war heute morgen mehr als eine Stunde vor uns losgegangen, aber wir hatten sie erst kurz vor Pamplona wieder eingeholt. Welche Leistung!

img_4922_bildgrose-andern.JPG

Ernest, Paul und ich mit Bier und Zigarre im Iruna – Pausen sind wichtig

Jetzt werde ich mit Paul erst mal in der Altstadt ein Bier trinken gehen und nachher kommt das Abschiedsessen. Er faehrt dann nach Leon weiter, um den letzten Rest seines Weges nach Santiago zu gehen. Von Pamplona war er schon frueher gegangen. Ich muss dieses Stueck noch gehen und werde daher morgen noch Richtung Burgos weitergehen. Ach ja, Blasen habe ich zwar keine. Aber die Muskeln fordern nun doch ihren Tribut. Ein ordentlicher Muskelkater will mit vielen weiteren Kilometern morgen bekaempft werden. Und jetzt erstmal mit einem Bier. Ultreja!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Ueber Pilger und ihre Herbergen…

Auf dem Weg per Zug nach St. Jean traf ich bereits einige Pilger, auch Deutsche. Sie hielten aber einen deutlichen Abstand voneinander. Jeder war sehr vorsichtig mit dem anderen. Bloss nicht jetzt schon irgendwelche Vereinbarungen treffen! Schon im Pilgerbuero wurde das anders. Es gab den ersten Stempel und so kamen Gespraeche, die sich mit dem weiteren Weg befassten. Wo schlaefst du, wie weit willst du, gehst du den ganzen Weg?

Beim Wandern hielten alle noch gebuehrenden Abstand. Gerade bergauf in Richtung Pass wollte verstaendlicherweise jeder in seinem eigenen Tempo gehen. Und bloss nicht so viel sprechen, denn dann geht man schnell eine Sauerstoffschuld ein, die kurzatmig macht. Also Blick nach vorn und weiter. Oben am Berg mussten zwangslaeufig die ersten Stopps eingelegt werden. Nun fanden sich die ersten Gruppen, die sich aber wieder voneinander loesten. Zumal es kraeftig schuettete, was auf die Laune drueckte. Und im Refugio fand man dann weiter zueinander. So kam es, dass ich nun zumeist mit Paul, teils dazu noch mit Eckbert wandere. Gerade warte ich auf Paul, der ja gebucht hatte und in einem Hotel untergekommen ist. Da gibt es grosse Unterschiede: Pilger in Herbergen stehen frueh auf. Einige wecken den Rest schon vor 6.00 Uhr. Im Hotel schlaeft man eher laenger, so bis 7.00 oder 7.30 Uhr. Dann fruehstueckt man in Ruhe.

Nach einigen Glas Wein ging es gestern abend ins Zimmer. so 12 Quadratmeter und sechs Etagenbetten darin. Im Refugio Orisson waren es noch 20 Quadratmeter. Die hat Paul und nur ein Bett darin. Ich hatte dafuer zwei bis drei Schnarcher. Also musste ich so um Mitternacht meinen MP3-Player nehmen um die sonoren Toene zu ueberdecken. Erst Bruce Springsteen mit The Road of Tom Joad. Aber das traf den Ton nicht. Erst die Gregorianischen Gesaenge uebertoenten erfolgreich das tiefe Grummeln der Schnarcher. Ich wurde langsam ruhiger. Und schlief wohl irgendwann ein.

img_4970_bildgrose-andern.JPG

Schöne Pilgerherberge in Obanos – zwischen 5 und 10 Euro sind üblich

Morgens wurde ich von den Fruehaufstehern und einem kraeftigen Gewitter geweckt. Und es schuettete wie aus Eimern, das war sogar aus dem Schlafsack heraus zu hoeren. Dazu kam ich nicht an meinen Rucksack, den ich abends zuvor in einem Schrank wie es ihn in Schwimmbaedern gibt eingeschlossen hatte. Also stand ich auf und widmete mich dem Problem mit dem Schrank. Nach einigem Bollern hatte ich die letzte Schlaeferin geweckt und den Schrank offen. Nun ging es in die Toilette, denn ich hatte ja meine Kulturtasche wieder. Als ich wieder herauswollte musste ich fast auf den Deckel steigen, um die Tuer aufzumachen, so eng war es. Aber insgesamt gesehen war die Herberge ganz nett.

Waehrend ich auf Paul warte, hat der Regen aufgehoert und die ersten blauen Streifen sind am Himmel zu sehen. Kann ich meine Regenjacke wieder einpacken? Heute auf dem Weg nach Pamplona kommen noch einige sehr steile Stuecke abwaerts auf mich zu. Hoffentlich nicht auf dem Hintern!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Ueber die Bruecke der Tollwut nach Zubiri

Hape, du musst einiges falsch gemacht haben. Oder solltest du vielleicht mit dem Rauchen aufhoeren? Die Pyrenaeen-Ueberquerung war zwar hart, aber gut zu schaffen. Ich habe keine kaputten Fuesse, keinen Muskelkater. Bin also wohlauf. Uebrigens: Die Juengste auf dem Camino ist ein Jahr (aber mit ihren Eltern unterwegs – die Aelteste ist 77 Jahre alt!

Eine gute Idee war es auf jeden Fall, in Orisson auf halber Hoehe zu uebernachten. Dann sind die Hoehenmeter viel leichter zu verkraften. Und das Refugio war wirklich schoen. Auf dem Weg ueber den Lepoeder-Pass habe ich fuenf Adler gesehen. Langsam zogen sie unter mir ihre Bahnen ueber die Haenge.

 img_4839.JPG

Hoch in den Bergen die Madonna der Pilger

Der Abstieg vom Pass ist unheimlich steil und erfordert gute Beinmuskeln. Durch den Schnee und den Regen ist alles ohnehin sehr rutschig. Oft musste ich meinen Stoecken danken, dass es nicht schneller abwaerts ging, als mir lieb war. Bei alledem ist es eine wunderschoene Landschaft: Sanft geschwungen und jetzt im Fruehjahr sehr gruen. Dazu viele Laubwaelder mit frischen gruenen Blaettern.

Die Puente de Rabia - Bruecke der Tollwut in Zubiri

Die Puente de Rabia in Zubiri

In Roncesvalles habe ich mir das Kloster dann nur angeschaut. Es machte erst Stunden spaeter auf. Dazu hatte ich gehoert, dass hinter uns hunderte von Pilgern aus aller Herren Laender unterwegs waren. Der Mittagszug hatte in St. Jean sehr viele Pilger mitgebracht. So viele, dass die ueber 300 Betten in St. Jean nicht ausreichten und einige gezwungen waren, den Berg hoch auszuweichen. So kam es, dass zwei Leute draussen bei Kaelte in einem Zelt schlafen mussten. Sie bekamen aber noch eine Flasche Wein gegen die Kaelte.

Diese Pilger wollten nun alle in Roncesvalles in die hundert Betten. Paul hatte einen Ort weiter in Burguete schon vorgebucht. Als Anwalt auf dem Capitol Hill handelt er eben sehr planvoll. So bin ich mit ihm gegangen und wir haben beide in Burguete in einem sehr alten Hotel geschlafen, in dem schon Ernest Hemingway die Bettdecke zurueckgeschlagen hat. Das war sehr erhebend, auch abends bei einem netten Diner. Allerdings gab es nachmittags kein offenes Cafe trotz vieler Pilger auf dem Camino. So kauften wir im Supermercado ein Cerveza und Oliven mit Anchovis dazu. Lecker! Auch das Diner war abends wirklich distinguiert. Und alles zu akzeptablen Preisen. Auch Eckbert von den Vancouver Island war wieder dabei und erzaehlte von seinem Job als Fischer vor Vancouver.

Diner auf den Spuren von Ernest Hemingway

Eckbert aus Vancouver, Paul und ich beim Diner auf des Spuren von Hemingway

Nach einem typisch spanischen Fruehstueck mit Cafe con Leche, einem Croissant, etwas Baguette sowie Butter und Marmalade ging es dann um 9.00 Uhr weiter. Viele Pilger waren nun unterwegs. Einige kannten wir nun schon: Die aeltere Dame aus Deutschland, bestimmt schon an die siebzig. Das Ehepaar aus Frankreich, die jungen Spanier, die mit einem Kinderbuggy und einer einjaehrigen Tochter unterwegs sind, die beidem australischen Maedels mit ihren leichten Turnschuhen, die sich durch den Schlamm wuehlen, Eckbert, Marie aus Germany mit ihrem fabelhaften Amerikanisch und viele andere mehr.

Der Weg ist ueberwiegend ein „Singletrail“. Steinig und teilweise sehr matschig. Wenn es steil wird, und es wird auf steil – hoch oder runter -, muss man ziemlich aufpassen. Die Stoecker wirken da wirklich Wunder. Vor Zubiri geht es dann ueber die Puente de Rabia, die Bruecke der Tollwut. Kranke Pilger sollten frueher drei Mal in beide Richtungen gehen, um geheilt zu werden. Ich gehen auch drei Mal, aber nur um besser fotografieren zu koennen.

Zuvor habe ich mit Paul lange ueber seinen katholischen Glauben gesprochen. Er war lange Jahre nicht mehr in der Kirche gewesen und hat erst jetzt wieder mehr zum Glauben gefunden. Kommt das, wenn man 60 wird? Er hat sich sehr mit Benedikt auseinander gesetzt und viele Buecher ueber ihn gelesen. Er erklaert mir den Wunsch vieler Bischoefe, die alte lateinische Messe wieder einzufuehren. Und berichtet von Bischof Lefebre aus Frankreich, der einer der Vorreiter dieser Bestrebungen ist.

Paul hat natuerlich wieder vorgebucht. Ich gehe mit ihm zu seinem Hotel, aber es ist „complet“. Das erweist sich (auch wegen des Preises, den ich haette zahlen muessen) als Glueck. Denn so gibt mir einem Amerikanerin, mit der ich unterwegs immer wieder mal gesprochen habe, den Tipp auf eine sehr gute und guenstige Pilgerherberge. Da zahle ich nur 10 Euro und habe eine warme Dusche, man kann Waesche waschen und es gibt Internet umsonst. Und irgendwie trudeln langsam alle Pilger ein, die man unterwegs so kennengelernt hat. Allerdings auch ein Pilger, der in Roncesvalles im Schlafsaal bereits einen legendaeren Ruf erworben hat. Er soll schnarchen wie ein Grizzly (so eine Amerikanerin, die solche Laute wohl kennt). Mehrmaliges Anstossen nachts soll wohl nicht geholfen haben. Ich bin heilfroh, als ihm und seiner Frau ein anderer Raum zugeteilt wird. In meinem Raum (6 Etagenbetten) schlafen nur nette Pilger und ich hoffe, dass niemand (ich auch nicht) schnarche.

Um 7 pm bin ich mit Paul zum Diner verabredet. Wir gehen noch bis Pamplona zusammen. Von dort faehrt er nach Leon um sich mit einem deutschen Freund zu treffen. Beide wollen dann von Leon bis zum 19. Mai nach Santiago gehen. Ich werde wohl weiter in Richtung Burgos gehen. 

Ansonsten geht es bei den Gespraechen zumeist um die Schuhe (Lowa – habe ich auch – liegt weit vorn), die Socken, die Blasenpflaster und Tipps, soetwas zu vermeiden. Das ganze in einem Sprachgewirr, bei dem man manchmal nicht mehr weiss, in welcher Sprache das Gespraech eigentlich gefuehrt wird… Also Buen Camino! 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar