Es wird galizisch – Riego de Ambros

Etwa 12 Km vor Ponferrada kommen wir im Refugio von Riego de Ambros unter. Es ist in einem renovierten alten Haus untergebracht und besteht aus 2 und 4-Bett-Kammern, die oben offen sind. Auch das daneben liegende Klo ist oben offen. Aber wir sind ja Pilger und ich habe sogar eine Doppelkabine fuer mich allein. Die Haeuser sehen ganz anders aus, sie sind offensichtlich galizisch und haben grosse Balkons.

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Riego de Ambros im steilen Abstieg

Als die Glocken um kurz nach 18 Uhr laeuten, nehmen mich Bert und Karla mit in die kleine Kirche, wo zwei Pfarrer extra fuer uns einen Gottesdienst abhalten. Er ist aber rein auf spanisch und ohne Singen. Na ja. Dann kommt auch noch das katholische Abendmal und Bert, der weiss, dass ich Protestant bin, nickt mir zu. Mehr sage ich jetzt aber nicht, falls etwas gegen Kirchenrecht verstoesst…

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Die kleine Kirche von Riego de Ambros im Abendlicht

Danach geht es nach gegenueber zum Essen. Es gibt ein gutes Essen und ganz netten Wein. Bert und ich haben zum Schluss noch Lust auf einen Brandy. Bert meint, man koennte doch einen Carlos Primero nehmen. Wieso nicht? Als die Quenta kommt sind wir beide etwas bleich: Das Drei-Gaenge-Menue mit Wein kostet 19 Euro, die beiden Primeros 16. Aber die Glaeser waren auch wirklich voll…

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Es war schon immer teurer, einen besonderen Geschmack zu haben

Ohne Fruehstueck muessen wir Richtung Ponferrado abruecken. Erst im letzten Haus des naechsten Ortes Molinaseca gibt es ein Fruehstueck. Das war knapp, denn nach Ponferrada gehen wir noch bis 13 Uhr und stehen im beginnenden Regen vor der am Montag geschlossen Tempelritter-Burg, die sich imposant ueber uns erhebt.

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Wir gehen ins Tourist Office, den fuer Bert ist hier Schluss. Er muss wieder zurueck in die Klinik und fliegt ab Santiago. Ich muss eine Etappe springen, um rechtzeitig fuer meinen Flieger in Santiago zu sein. Sonst muesst ich wieder Gewaltetappen gehen. Und die Blasen sind immer noch nicht voellig verheilt. Ich kaufe mir noch duenne Handschuhe, denn im Wetterbericht gesellen sich „Schneezeichen“ fuer Nordspanien auf den Bildschirm.

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Klingeln – dann gibt es in der freundlichen Tienda in Riego de Ambros selbst am Sonntag etwas

Wir verabschieden uns. Es war wieder sehr schoen mit einem Partner unterwegs zu sein, aber jetzt muss ich allein weiter. Ich nehme den Bus nach Villafranca al Bierzo. Von dort gehe ich noch bis Trabadelo etwas ueber 10 km, so dass ich wieder eine 25 km – Etappe erlaufen habe.

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Die Tempelritterburg von Ponferrada – Bert muss nach Berlin zurück

In dem netten Hostal „Nova Ruta“ mit einem sehr guten Essen komme ich unter. Es gibt wieder Forellen, die direkt unter meinem Fenster schwimmen. Zum ersten mal trinke ich einen wuerzigen Bierzo. Dazu gibt es einen Orujo, den galizischen Grappa. Als die Wirtin merkt, wie gut er mir schmeckt, muss ich gleich noch einen trinken. Endlich mal ein Bett fuer mich allein.

Ich beginne wieder ein Leben als „Edelpilger“, denn auch am naechsten Etappenort O Cebreiro will ich angesichts des andauernd schlechten Wetters wieder in ein Hostal. Dort kann man in Ruhe seine nassen Sachen trocknen.

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Die hoechsten Berge des Camino – und die wilden Hunden von Foncebadon

Ich hatte jetzt einige Tage kein Internet und muss heute nachschreiben. Aber ich will nichts vorwegnehmen.

In Rabanal de Camino am Fusse der Montes Leon war es sehr schoen bei den Schwestern von St. James. Alles englisch distinguiert. Ein wunderschoener Garten. Gute Betten und ein nettes Ambiente. Dazu direkt nebenan die Moenche von St. Ottilie. Drei harren dort aus und lesen in der Kirche gegenueber die Messen. Vor dem Essen gingen wir in die Vesper. Schoene lateinische Gesaenge und eine besondere Athmosphaere.

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Das sind die Höhenlinien des Camino – ein einziges Hoch und Runter

Danach sind wir in ein Restaurant zum Essen gegangen und haben dabei das Gute erwischt. Man merkt das immer daran, wenn viele Spanier da sind. Mit dabei waren John, ein Immobilienmakler aus New York, Karla (fast 65 und unterwegs) aus dem Tessin/Schweiz und Bert, der Medizinprofessor an der Charite´in Berlin ist. Es ist eben immer eine bunte Mischung auf dem Camino.

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Ein tolles Essen mit Karla, John und Bert in Rabanal

Wir geniessen ein tolles Essen und einen guten Wein. Bislang bin ich nicht entaescht worden. Nach dem Essen gehen die anderen noch zum Pilgersegen. Ich muss meine Sachen noch richten, damit es morgen frueh weiter gehen kann. Die Schwestern von St. James schmeissen ein naemlich unnachgiebig raus… Nachts gibt es mal wieder Schnarcher und Huster. Also rein mit den Hurricane-Ohrstoepseln. Schon schlaeft es sich besser. Morgens gibt es dann noch ein Fruestueck von den Schwestern. Fuer das Bett und das Fruehstueck wird eine Spende erwartet und an den freudigen Gesichtern der St.James Schwestern sehe ich, dass ich ihren Erwartungen gerecht werde.

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Auf dem Weg nach Foncebadon

Mit einem tollen Sonnenaufgang geht es hinauf nach Foncebadon und dem Cruz de Ferro, mit ueber 1500 m der hoechste Punkt des Camino. Es geht sich aber gut: Es geht angenehm hoch und ist nicht steil. Foncebadon ist aber nicht mehr so verfallen, es ist viel gebaut worden, unter anderem eine nette private Herberge mit Bar. Dort gibt es erstmal einen richtigen Cafe con Leche und ein Bocadillo mit Schinken. Mit Roger aus LA, der eigentlich aus Australien kommt und mit einer 18 Personen starken Gruppe aus Australien und Tasmanien unterwegs ist, fachsimpele ich noch ein bischen ueber MP3-Player.

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Ganz früh sind Bert und ich schon unterwegs

Dann geht es weiter, vorbei an den wilden Hunden von Foncebadon, die aber voellig teilnahmslos daliegen und kein Mucks machen. Und ich hatte schon meine Stoecker abgeschnallt…

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Die „wilden Hunde“ sind eher teilnahmslos

Nach einiger Zeit tut sich vor einem Schneepanorama die Spitze des Cruz de Ferro auf. Auch die Australier sind mit uns da. Eine der Frauen legt wie wir alle einen Stein ab und ist sehr traurig. Mit den Steinen legt man seine Seelensorgen am Kreuz ab. Wir machen noch einige Fotos und ich suche den bunten Stein, den Christhilde und Hildegard letztes Jahr abgelegt haben. Aber ich finde ihn nicht mehr. Er war wohl zu schoen und hat einen neunen Freund gefunden. Egal, denn mit der Ablage des Steins ist ja sein Sinn erfuellt… Ein Muschelstein finde ich, den ich auch sehr schoen finde. Aber das bringt bestimmt ein schlechtes Karma, ihn mitzunehmen. Wir gehen weiter und wollen in Riego de Ambros uebernachten.

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Bert am Cruz de Ferro: Dort kann man seine Seelenlast zurücklassen

Als wir nach Manjarin kommen, treffen wir auf den verrueckten spanischen Hospitalero mit seinen Schildern, die in alle Welt weisen (Maccu Piccu 9453 km). Er selbst starrt vor schmutz und wer Floehe haben will, uebernachtet in seiner Albergue, wenn man die ueberhaupt so nennen kann. Seine Hunde sind uebrigens wirklich wild und bedrohen spaeter Karla, die nach uns kommt. Sie muss einige hundert Meter im Auto eines Spaniers mitfahren, um an den Hunden vorbei zu kommen. Aber erlebt von seinen Stempeln und den paar Andenken, die Peregrinos kaufen. Jeder schaut sich bei dem bunten Vogel um, der ein Tempelritter-TShirt traegt.

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Die Burg des letzten Tempelritters in Manjarin

Nachdem wir noch einen Huegel ueberqueren, haben wir einen ersten tollen Blick auf Ponferrada. Es wird aber noch einen Tag dauern, bis wir vor der Tempelritter-Burg von Ponferrada stehen. Zu Fuss sind Entfernungen eben doch was anderes.

Steil geht es nach El Acebo hinunter, wo ein Rad-Denkmal auf den dort toedlich verunglueckten Heinrich Krause aus Deutschland hinweist. Haben seine Bremsen versagt? Wer weiss das. Er ist einer der vielen, fuer die der Camino der letzte Weg ist. Immer wieder stehen solche Schilder und Kreuze am Weg. Es sind Grabsteine, an denen jedes Jahr zehntausende von Menschen vorbeikommen und an dieToten denken…

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Rabanal – jetzt geht es auf den hoechsten Berg des Camino

Gestern abend in Astorga habe ich das erste Mal auf dem Weg allein gegessen. Eine Pizza auf dem Placa Mayor in Astorga, nachdem ich mit noch die roemischen Reste Asturicas angesehen hatte.

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Auf dem Weg nach Rabanal: Blick zurück auf Astorga

Als ich um 22 Uhr in Herberge kam, war es schon dunkel im Schlafsaal. Aber laut war es. Ein Schnarcher sorgte fuer ein sonores Konzert. Also die Ohrstoepsel rein und schon war es viel gedaempfter. Als ich morgens aufwachte, lag ich ganz allein im Schlafsaal. Alle waren schon weg, ich hatte wegen meiner Geraeuschdaemmung verschlafen. Also hoch, Sachen packen und los. Schnell noch ein Fruehstueck auf der Placa Mayor und eine Flasche Wasser in den Trinksack und los ging es.

Es folgte ein wunderschoene Strecke mitten durch die Landschaft. Ueber mir kreiste ein Storch. In der Ferne die schneebedeckten Berge der Montes Leon. Dazu erst die Gregorianischen Gesaenge und spater Coelho mit seinem Stueck vom Jakobsweg. Das fuehrt unwillkuerlich dazu, dass die Gedanken wieder spiritueller werden.

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Wegweiser in jeder Form

Ein schoenes Stueck Weges. Auch die Blase war nicht mehr so nervig. Allerdings hatten bis Rabanal alle Bars geschlossen, also musste ich mit Wasser und Muesliriegel durchhalten.

Unterwegs traf ich Berthold aus Berlin, der wegen einiger Blasen pausieren musste. Es entstand natuerlich gleich ein Fachgespraech ueber eines der wichtigsten Themen des Caminos. Dazu kam, das Berthold gut Bescheid wusste, ist er doch Hautarzt. Jetzt gehe ich meine Blasen viel beruhigter an…

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Blick in die Weinberge

Nach einigen Stunden Wanderns bin ich jetzt in Rabanal angekommen, auf 1160 Meter Hoehe. Morgen geht es ueber Foncebadon, dem Ort wo die wilden Hunde lauern, zum Cruz de Ferro, wo ein Stein niederzulegen ist. Ueber 1500 Meter hoch ist es dort. Ob wohl noch Schnee liegt?

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Gutes Frühstück bei den barmherzigen Schwestern des Ordens von St. James. Mit Silvia (links) werde ich die letzten 150 km gehen, weiß es hier nur noch nicht…

Untergekommen bin ich bei einem englischen Orden. Gleich daneben ist ein Haus von deutschen Moenchen, die aber keine Unterkunft bieten. Meine Herberge ist allerdings auch wunderschoen. Um 7 und um 21.30 Uhr singen die Moenche, das wird sicher ein Erlebnis. Und beim Pilgermenu sitze ich dann sicher nicht allein…

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Astorga – etwas kuerzer getreten…

Mit meinen zwei dicken Blasen unter den Vorderfuessen bin ich heute mal etwas kuerzer getreten. 18 Km sind ja auch eine schoene Strecke. Compeed hilft aber wirklich gut, kann ich nur weiterempfehlen. Habe mir gerade noch einen Vorrat davon angelegt, damit ich meine (derzeit) wichtigsten Koerperteile ordentlich pflegen kann.

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Mit Michael aus Hamburg über die Brücke von Hospital de Orbigo

Gestern abend bin ich noch mit einer Schweizerin, Verena, und Christine aus dem Bayrischen Wald sowie Feuerwehrmann Michael zum Essen ausgegangen. Das erste Mal wieder ein richtiges Pilgermenu. Hospital de Orbigo ist spanienweit bekannt fuer seine hervorragenden Forellen. Also gab es nach einem riesigen Salat „Fried Trout“. Alles sehr lecker, besonders aber der klasse Rioja der dazu gereicht wurde. Danach noch ein Eis und ein klitzekleiner Brandy (wegen der Fuesse). Danach ging es mir schon erheblich besser in meinem „Pilgertal“. Michael erzaehlte mir noch, dass er geglaubt hat, als er mich anfangs mit dem gepiercten Tattoo-Man gesehen hatte, dass ich im Rahmen einer Erlebnis-Paedagogik als Erzieher mit meinem Zoegling unterwegs sei. Wo der Tattoo-Man jetzt wohl ist. Ob er wohl wieder in einem Bus sitzt? Na ja, man muss sich auch mal trennen koennen.

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Die Pilgerherberge in Hospital de Orbigo mit ihrem schönen Innenhof

Trennen musste ich mich heute allerdings auch von Michael. Er ist mit seinen sportlichen 27 Jahren einfach zu schnell fuer mich. Und Strecken ueber 30 km sollte ich mir einfach nicht mehr antun. Ueber 50 ist man halt schon auf dem Weg ins Rentnerlager…

Ansonsten war die Strecke von Hospital de Orbiga nach Astorga heute sehr schoen. Frueh am morgen ging beim Wandern die Sonne auf, auf den Pflanzen lag noch Rauhreif. Mit den Kilometern musste man immer mehr ausziehen. Blauer Himmel – keine Wolke weit und breit, jetzt brennt die Sonne richtig herunter. Mindestens 25 Grad sind es.

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Ausgrabungen in der alten Römerstadt Astorga

Astorga ist als alte Roemerstadt bekannt, also bin ich erstmal ins roemische Museum. Erst ein gut gemachter Film und dann eine kleine, aber feine Ausstellung. Passt gut zu meinem Buch „Imperium“ von Robert Harris ueber den roemischen Rhetoriker Cicero, das ich gerade lese. Kann ich uebrigens nur weiterempfehlen, wieder sehr gut und spannend geschrieben. Ich habe uebrigens nur die Haelfte des Buches mit. Bis Seite 160 hatte ich schon zu Hause gelesen. Also habe ich das Buch einfach mitten durch geschnitten und nur den Rest mitgenommen. Es kommt eben auf jedes Gramm an!

Gleich will ich in das Camino-Museum, das eigentlich der Bischofspalast werden sollte und vom Architekten Gaudi, der auch die Kathedrale in Barcelona baute, geplant wurde. Ein interessanter Bau von aussen. Danach geht es in die Kathedrale von Astorga. Untergekommen bin ich im Refugio San Javier in der Naehe der Kathedrale. Frisch angekommen, habe ich erstmal meine Waesche gewaschen. Das ist so der Pilgertrott. Nach der Kathedrale geht es noch ein bischen in die Horizontale und dann wieder zum Pilgermenu.

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Der Bischofspalast von Gaudi, in dem nie ein Bischof residierte…

Bislang war ich noch nicht einmal im Hotel, sondern immer in Pilgerherbergen. Aus mir wird eben doch noch ein richtiger Pilger….
Gerade habe ich noch mal in die Wetter-Vorausschau gesehen. Bis Sonntag ist es noch gut, dann wird es rapide schlechter: Bis auf 11 Grad runter und Regen. Hoffentlich bleibt das nicht so!

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Ein schöner Abend an einem schönen Platz in Astorga – trotz Blasen

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38 Km bis Hospital de Orbiga – alles gut gegangen?

Gerade eben habe ich nach einem reichlichen Pilgermahl mit einem sehr guten Wein noch einen Internetplatz gefunden. Ich hatte es schon aufgegeben…

Auf der Fahrt nach Leon machte mich der Schaffner mit einem anderen Pilger bekannt. Der kam aus Linz und sprach deutsch. Ansonsten: Tattoos und viele Piercings…

Da er keinen Reisefuehrer und kein Credencial hatte, habe ich mit ihm bis 21 Uhr eine Herberge gesucht, die ihm ein Credencial und Unterkunft gab. Als wir die Benediktiner endlich fanden, waren sie so nett, dass ich auch gleich da geblieben bin. Um die Ecke habe ich dann in einem Stehlokal noch einen der besten spanischen Weine und ein super Schinkenbaguette gegessen. Danach musste ich schnell ins Bett. In den Refugios ist um 22 Uhr Schluss.

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Morgens frueh in Leon: Ein erschöpfter Pilgerbruder ruht am Pilgerkreuz

Morgens wollte mein junger Freund dann doch lieber mit dem Bus Pilgern und ich bin mit Michael, einem jungen Hamburger Feuerwehrmann, losgelaufen. Mittags waren wir dann 25 Km gegangen und es kam auch eine Herberge. Hier der Stop? Nein, das war einfach noch zu frueh…

Wir gingen weiter, bis Hospital de Orbigo – 38 Km. Es kam naemlich keine Herberge mehr. Also immer weiterlaufen, laufen, laufen. Ab 30 Km machte es schon keinen richtigen Spass mehr. Ab 35 Km wurde es heftig auf der Schotterpiste.

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Kilometer um Kilometer zieht sich die Strecke hin…

Ich sah unterwegs mal nach meinen Fuessen: rechts und links am Ballen ordentliche Blasen. Die habe ich gerade vor dem Essen noch mit dem Taschenmesser auf gemacht. Morgen kommt Compeed drauf. Hoffentlich geht alles gut und ich gehoere nicht uebermorgen zu dem Kreis der Blasengeschaedigten. Sowas kann naemlich im schlimmsten Fall zum Abbruch fuehren.

Ach ja: das Wetter ist super. 25 Grad und ich habe trotz Sonnenschutz schon einen kleinen Sonnenbrand…

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Bilbao – jetzt kann nichts mehr schief gehen…

Noch zu nachtschlafener Zeit klingelte heute morgen um 3.30 Uhr der Wecker. Fertigmachen, Fruehstuecken, um 4.00 Uhr geht es los zum Flughafen nach Bremen. Um 6.00 Uhr geht es los nach Palma de Mallorca. Beim Anflug ein herrliches Licht der aufgehenden Sonne. Erst die Bucht von Alcudia mit der Ermita de Victoria, dann ein toller Flug rund um die Tramuntana und entlang der Bucht von Palma. So 25 Grad sind es wohl in Palma. Da moechte man gleich hierbleiben und durch die Tramuntana wandern…

Aber es geht weiter nach Bilbao. Wunderschoene Ausblicke auf Zentralspanien, aber in Nordspanien kommen dann doch die Wolken. In Bilbao nieselt es leicht, aber es ist warm. Eigentlich schwitze ich sogar schon ein bischen mit meinem Rucksack. Jetyt sitze ich im Bahnhof von Bilbao mit einem Ticket nach Leon in der Tasche. Heute abend um 20 Uhr komme ich in Leon an und bin wieder auf dem Weg! Morgen geht es dann los in Richtung Astorga.

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Ein guter Wein und Serrano-Schinken zu Beginn in Leon’>Ein guter Wein und Serrano-Schinken zu Beginn in Leon

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Es geht wieder los!

Es geht wieder los: Am 2. April 2008 geht frühmorgens um 6.00 der Flieger von Bremen nach Bilbao. Von dort geht es dann mit dem Zug oder dem Bus weiter nach Leon. Das heißt auch, dass ich auf die rund 200 Km lange Strecke in der Hochebene Meseta verzichten muss. Aber das hole ich nach. 200 Km immer geradeaus, kein Baum und kein Strauch, das muss etwas Besonderes haben.

Jetzt will ich erstmal Abwechslung: Berge, Wasser, eine tolle Landschaft in Galicien. Und dazu Sonne! Sagt jedenfalls die Wettervorausschau, die rund 20 Grad tagsüber für Leon prognostiziert. Allerdings soll es Nachts dann auf kalte 2 Grad hinuntergehen. Egal, da nehme ich noch einige warme Sachen mit.

Gepackt ist alles schon, ich nehme fast die gleichen Sachen mit, wie im letzten Jahr. Allerdings habe ich mir noch einen dünneren Schlafsack zugelegt. Der Daunenschlafsack war doch etwas zu warm. Man schläft ja schließlich in Häusern, nicht unter den Bäumen.

Es geht wieder los!

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Nächstes Jahr geht’s weiter

In Burgos hatte ich noch einen wunderschönen Abend. Ich traf in einem Restaurant den wohl einzigen Neufundländer wieder. Wir hatten ihn in St. Juan de Ortega getroffen. Er hatte eine unbekannte Flagge auf dem Rucksack und meinte zu uns, dass wir das nie erraten würden. Und er hatte recht: Die Flagge von Neufundland kannte keiner. Er ist Ökonomieprofessor an der Universität von Neufundland und wir fanden an diesem Abend noch viele interessante Themen.

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Bis Burgos haben sich bereits einige Stempel im Credencial eingefunden

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Burgos – traurig verlasse ich die Gruppe

Bereits im Mittelalter fanden sich auf dem Camino Frances Gruppen zusammen, die einander unterstuetzen, schuetzten und Unterhaltung gaben. So war auch unsere Brasilianisch-Italienisch-Englisch-Deutsche Gruppe zu sehen. In ganz kurzer Zeit waren wir Freunde geworden. Dabei geht man durchaus nicht immer nebeneinander her. Der eine oder andere ist mal ein paar hundert Meter vor oder zurueck. Aber man findet immer wieder zusammen. So war es mit Stephanie, Andre und Lizzy eine tolle Zeit, wie zuvor mit Paul oder den beiden Hildes.

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Ein Kuss von Stephanie für den ersten Europäer in Atapuerca
Vor Burgos mussten wir zunaechst durch eine Baustelle und dann kilometerlang durch die Gewerbegebiete. Als wir die ersten Wohnhauser nach wohl ueber 15 Kilometern erreichten, fing es wieder an zu regnen. Aber gluecklicherweise wartete ein Bus, der in die City fuhr. Also schnell hinein. Dort zeigte sich schon die hoch aufragende riesige Kathedrale von Burgos. Durch das grosse Tor gingen wir auf den Vorplatz, nun wieder in Regenkleidung wie zum Beginn der Tour.

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Es fängt mal wieder an zu regnen – wir sind in Burgos

In der Kathedrale fing gerade eine Messe an und die Prozession zog herein. Nicht fuer Touristen mahnte ein Schild. Aber wir waren ja Pilger… Dort trennten wir uns auch und ich musste mich schnell umdrehen und weggehen, nachdem wir uns herzlich verabschiedet und ich den dreien noch einen guten Weg durch die Meseta und nach Santiago gewuenscht hatte. Buen Camino, Stephanie, Andre und Lizzy! Und Paul, Christhilde und Hildegard sowie Doramaria aus Bremen, an die ich oft gedacht habe,natuerlich auch! Ob Doramaria es mit ihren fast 78 Jahren wohl schafft? Auf jeden Fall herzliche Glueckwuensche zum Geburtstag, Doramaria!

Jetzt ist mein Camino fuer dieses Jahr beendet. Ich bin in einem kleinen Hostal bei einer netten alten Spanierin untergekommen. Gerade habe ich mir nochmal in Ruhe die Kathedrale angeschaut. Morgen ist ein Bummel durch Burgos angesagt oder vielleicht ein Ausflug in die Meseta. Uebermorgen geht es von Bilbao wieder nach Hause.

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Die Kathedrale von Burgos nachts

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Durch die Montes de Oca zum Beginn der Menschheit

Ich haette den Wecker besser abstellen sollen. Als ich gerade die Toilette benutzte – einige Zimmer weiter hoerte ich meinen Wecksound „Boulevard of Broken Dreams“. Und das um 5.45 Uhr, denn wir hatten uns bereits fuer 6.30 Uhr an der Pilgerherberge verabredet, um von dort vor der Sonne in die Berge zu starten. Zumal gleich ein steiler Anstieg auf uns wartete. Also runter von der Toilette, ein leises Entschuldigung zu jeder geschlossenen Tuer, hinter der ich einige Flueche vermutete, und das Wecker-Handy ausstellen. Und wieder zurueck.

Puenktlich war ich da, Lizzy hatte eine Moeglichkeit gefunden Kaffee zu kochen. In aller Fruehe sassen wir im Garten der Pilgerherberge. Dann ging es los – steil bergan. Ich schnitzte Lizzy erstmal einen Pilgerstab, um den Anstieg zu erleichtern. Ohne Stoecker sollte man sich nicht auf den Weg machen, meine Leki Traveller Nordic Walking Stoecker waren meine wichtigsten Utensilien. Es war eine tolle Landschaft mit riesiger Erika-Heide. Oben am Pass erinnerte ein Denkmal an die Opfer des spanischen Buergerkriegs von 1936, in dem die Legion Condor der deutschen Luftwaffe eine unruehmliche Rolle gespielt hat.

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Andre quält sich die enorme Steigung hoch – eine von vielen!
Ueber zehn Kilometer ging es durch die Heide und den Wald, eine ueberwaeltigende Landschaft. Schliesslich kam St. Juan de Ortega mit seiner riesigen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. St. Juan de Ortega war ein Schueler von St. Domingo de Calzada und hat mit seinen Bruecken und Wegen den Pilgern den Marsch durch die Oca-Berge erleichtert. An der kleinen Bar des Ortes gab es erstmal ein Bier. Da es dort keine Bocadillas gab, kratzten wir alles zusammen, was wir hatten und teilten. Orangen, Muesliriegel und so weiter. Dann kamen die letzten acht Kilometer fuer diesen Tag bis nach Atapuerco auf uns zu. Kurz vor diesem Ort liegt uebrigens Aces, dessen Pilgerherberge sehr gut sein soll. Auf dem Weg sponnen wir ein wenig ueber die Fussballerfolge unserer Laender herum und fragten Lizzy nach der Zahl der gewonnen Weltmeisterschaften der Englaender…

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Mein Schatten auf dem Weg durch die Montes de Oca
Aber auch in Atapuerca konnten wir uns nicht beklagen. Eine sehr neue Anlage mit EU Geldern errichtet. Gute Duschen, die wir erstmal nutzten wie jeden Tag nach dem anstrengenden Wandern. Dann Fusswohl auf die Fuesse und Voltaren auf die Beine. Zusammen haben wir dann in einer kleinen Bar Bier und Bocadillos genossen.

Danach bin ich noch in das Praehistorische Museum des Ortes, der naemlich weltbekannt ist. Dort wurde der „Homo antecessor“ gefunden, der erste bekannte europaeische Mensch. Er lebte dort und jagte Bueffel und anderes Getier. Manchmal assen sie sich auch selbst auf, erfuhr ich im Museum. Gut konnte man sich vorstellen, wie unsere Vorfahren in den weiten Huegeln gelebt haben und einer Karsthoehle ihr Wild verspeisten. Der Archaeologie-Park war dann mehr etwas fuer Kinder.

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Die Kirche von Atapuerca im Abendlicht
Abends haben wir dann wieder nett zusammen gegessen und noch einen Landsmann von Andre dazu gebeten. Um 21.30 kamen wir zurueck und im Zimmer war es bereits dunkel. Also Ausziehen und Sachen ordnen mit der Stirnlampe. Nachts stand dann die Franzoesin gegenueber alle fuenf Minuten auf. Als sie mir vor das Bett k……, wusste ich, dass sie krank war. Also wieder Licht an und Aufwischen. In mir reifte der sichere Entschluss, mir in Burgos, meiner naechsten und letzten Etappe ein Zimmer in einem kleinen Hostal zu nehmen.

Morgens ging es dann muede los, ich hatte wirklich nicht viel geschlafen… Aber die Sonne schien wieder als wir den Pass hinter Atapuerca erklommen. Allerdings blies der Wind einen fast um. Lizzy war auf einmal die Schnellste von uns, denn sie hatte eine Kanadierin und einen Australier getroffen. Da konnte sie als gute Englaenderin im Commonwealth natuerlich nicht zurueckstehen. Hinter dem Pass hatte wir dann die erste Sicht auf die Grossstadt Burgos, ueber 300 Kilometer nach St. Jean Pied de Port.

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