Auf dem Sternenfeld mit der Compostella in der Hand

Geschafft! Ueber 600 km bin ich zu Fuss gelaufen – das haette ich zuvor nicht fuer moeglich gehalten. Motor fuer alles war sicherlich dieser aussergewoehnliche Weg: Die lange Geschichte, die gute Ausschilderung, die freundlichen Spanier und vor allem die tollen Mitpilger. Ohne Konrad und Silvia waere ich auf den letzten 150 Km sicherlich nicht so gut vorangekommen. Tolle Mitpilger wie auch Raphael, ein Physikprofessor aus Barcelona, der mit seinen 80 Jahren zeitgleich mit uns in Santiago angekommen ist.

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Morgenfrost und Bodennebel, als wir in Rua zu unserer letzten Etappe aufbrechen

Morgens sind wir von Rua aus im Frost los gelaufen. Es war nachts wieder kalt, ich brauchte im Zimmer meinen Schlafsack. Aber ein tolles Licht entschaedigt uns auf den letzten rund 25 km bis zur Kathedrale von Santiago. Fast mystisch hebt sich ein Baum vor dem aufsteigenden Morgennebel ab. Es wird sicherlich das Foto, das ich auf dem Weg mache, bin ich mir sicher.

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Letzte Blicke auf die tolle Natur des Jakobsweges

Wir gehen weiter durch Eucalyptuswaelder. In einem kleinen Ort machen wir eine Pause und es bestaetigt sich wieder, dass in keinem spanischen Papierhandtuchspender Papierhandtuecher sind. Dafuer wird mit einem „Fussfoto“ und einer Erlaeuterung in vier Sprachen deutlich gemacht, dass es nicht erwuenscht ist, die Schuhe auszuziehen. Dabei tun wir Pilger das doch so gerne! Silvia holt schon mal ihr Maskottchen „Diego“ heraus, von Bert im Rabanal als Kuscheltier identifiziert.

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Silvia und „Diego“ fiebern dem Sternenfeld entgegen

Die Kilometersteine fehlen inzwischen. Wohl weil es nicht mehr 19, sondern nindestens 25 Kilometer nach Santiago hinein sind. Wir muessen naemlich um die Rollbahn des Flughafens von Santiago herumlaufen, das mussten die Pilger vor 1000 Jahren sicherlich nicht. Am Vortag hatte Konrads Schrittzaehler nach Rua 44300 Schritte gezaehlt. Das sind rund 35 Km. Daher sind unsere Fuesse heute etwas rund. Die Mehrkilometer in die Stadt tun weh.

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Schuhe auszeihen verboten! heißt es hier für Pilger

Aber zunaechst geht es erstmal auf den Monte Gozo, wo ein haessliches Denkmal an den Papstbesucht von Juan Pablo II erinnert. Dort treffen wir eine etwas aeltere Hamburgerin, die nur in Refugios schlaeft. Das sei doch selbstverstaendlich. Auf ihrem teuren Wollpulunder traegt sie eine Brosche: Goldener Golfschlaeger mit Perle als Golfball. Natuerlich ist sie nur die letzten 100 km ab Sarria gelaufen, ein gutes Pferd springt schliesslich nicht hoeher, als es muss. Ein Korschenbroicher, der ab Leon gelaufen sein will, den wir aber erst auf den letzten Kilometern trafen, muss als wir Erfahrungen austauschen zugeben, dass er hier und dort mit dem Bus gefahren ist. Auch ueber den Cebreiro. Einer seiner Mitpilger hatte bis nachmittags um 15 Uhr schon 44 Km gelaufen. Auch das gibt es. Na ja….

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Die Kathedrale von Santiago tut sich für uns auf

Um 16 Uhr sind wir auf dem grossen Platz, dem Sternenfeld vor der Kathedrale, eingerahmt von der frueheren Pilgerherberge, jetzt dem ***** Hotel Parador Los Reyes Católicos. Vielen Dank fuer deinen Tipp Bert, es waere bestimmt toll gewesen, aber die zwei Naechte haetten wir uns wohl nicht leisten koennen.

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Ich bin endlich dan, nach über 600 Kilometern zu Fuß …

Wir gehen ins Pilgerbuero und bekommen dank unserer vielen Stempel in den Credencials anstandslos die Compostella. Sicher in einer Papprolle verwahrt nehme ich sie mit nach Hause. Danach geht es in die riesige Kathedrale. Anfassen darf man die Saule am Eingang auch als Pilger nicht mehr, sie ist von einem Gitter geschuetzt. Tief haben sich die Finger der Pilger ueber die Jahrhunderte in die Saeule eingegraben.

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Die Säule wird jetzt von einem Geländer geschützt

Das Kirchenschiff ist riesig, vor allem der Altar, der sogar begehbar ist. Gold, Skulpturen und Putten bestimmen das Bild. Es ist imposant. Ich gehe auch an der Kammer vorbei, in dem die Gebeine des heiligen Jakobus in einem goldenen Schrein ausgestellt sind, verspuere aber nichts besonderes. Der Weg war mein Ziel, nicht dieser Goldschrein. Aber er gehoert zum Weg dazu. Abends feiern wir unsere Ankunft mit einem schoenen Essen. Morgen soll es noch ans Ende der Welt gehen.

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Der riesige Altar – sogar begehbar

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Und der Reliquienschrein mit den Gebeinen des heiligen Jakobus (?)

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