Vom Cebreiro zum Kloster Samos: Knorrige Baume und viel Moos

Endlich nach einigen Tagen wieder Internet. Hier gibt es viel weniger Moeglichkeiten zu schreiben, als auf dem ersten Teil des Weges. Und man muss suchen, bis man etwas findet.

O Cebreiro war ein Erlebnis inmitten des alten keltisch anmutenden Dorfes. Abends gab es ein tolles Essen am Kamin und danach einen Orujo. Die franzoesische Gruppe vom Vorabend ist wieder am Nebentisch. Leider sprechen sie nur franzoesisch und drei Worte Englisch. Trotzdem fragt mich der aeltere Franzose, der mit sechs gleichaltrigen Frauen unterwegs ist, ob ich nicht mit ihnen gehen moechte. ich weiss nicht. Ich hatte mich zehn Kilometer verlaufen und trotzdem war die Gruppe eine Stunde nach mir angekommen. Ich sage erstmal ja, mehr aus Hoeflichkeit.

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Unterwegs mit Konrad kurz vor Triacastela vor einem alten Pilgerbaum

Morgens um 8.00 Uhr kommt ploetzlich Konrad aus Koeln zu mir. Er ist 56 und arbeitet im Speditionsgeschaeft. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und beschliessen, den Cebreiro gemeinsam abzusteigen. Ich sage den Franzosen ab, die meine Entscheidung hoffentlich verstehen.

Los geht es, mit dem Wandern und dem Regen. Sturm kommt auf. Spaeter hoere ich, dass es in Nordportugal und Spanien zu schweren Stuermen und Schaeden gekommen ist. Ich ziehe mir meinen Pilgerhut tief ins Gesicht, nachdem wir den dritten Pass ueberquert haben. Es geht steil bergab.

Ploetzlich sehe ich das junge Maedchen, das in Rabanal beim Fruehstueck neben mir gesessen hat. Bert meinte, sie sei wohl 18 Jahre. Offensichtlich hat sie sich verlaufen. Sie ist 200 m tiefer in einem Bachbett. Ich rufe und sage ihr, dass der Camino hier oben sei. Und mache noch ein Foto zur Erinnerung an meinen eigenen Umweg.

Einige Kilometer weiter in Tricastela treffen Konrad und ich sie wieder. sie laeuft in Sandalen, da sie Probleme mit den Fuessen hat. Konrad und ich hatten eine wunderbare Paella und eine reichliche Sekundo, dazu einen Flan als Nachtisch. Wir wollen weiter einen Umweg nach Samos, zum aeltesten Kloster der westlichen Welt, etwa vom 5/6. Jahrhundert. Eine tolle Anlage, die sich nach etlichen Kilometern an de Strasse und schliesslich an einem Bach entlang in einer verwunschenen Welt ploetzlich auftut. Fast wie Roncesvalles. Es hat fast die ganze Zeit geregnet…

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Das Kloster Samos aus dem 5/6 Jahrhundert – das älteste Kloster der westlichen Welt – und die Kosterherberge

Silvia ist mit uns gekommen. Sie kommt aus der Gegend um Augsburg und ist sehr nett. Schnell stellt sich heraus, dass sie nicht 18, sondern 29 Jahre ist und sich mit SAP-Maschinen als Betriebswirtin beschaeftigt. Silvia geht in die Pilgerhergerge des Klosters, wo die Klostergaeste hineinschauen und direkt auf die Betten sehen koennen. Konrad undich gehen in ein Hotel. Ein riesiger Bau mit vier Stockwerken. Trotzdem gibt es angeblich nur ein einziges Zimmer unter dem Dach fuer uns beide. Durch das Bad kommt man in das Doppelzimmer. Egal, es ist alles nass,w ir nehmen das Zimmer, duschen und schauen uns das tolle Kloster mit seinen zahlreichen Wandgemaelden an. Der Moench hatte ums als Peregrinos mit einer Gruppe Oesterreicher umsonst hinein gewunken. Wir sehe halt schon etwas abgerissen aus…

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Im Kloster gibt es zahlreiche Wandbilder aus vielen Epochen

Abends geht es mit einem Kanadier, einem Suedkoreander, einem 80-jaehrigen Spanier, seinem 67-jaehrigen belgischen Freund und Silvia zum Pilgeressen, bei dem wir viel Spass haben und ich einen Salat vorgesetzt bekomme, wie ich ihn in meinem Leben noch nicht gesehen habe. Tief und fest schlafe ich in unserem Zimmer.

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Der Barceloner Physikprofessor Raphal, links neben mir, ist schon 80 und zum vierten Mal auf dem Camino unterwegs

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