Hart: Der Camino Duro nach O Cebreiro

Camino Duro – das ist der „harte Camino“. Jetzt kommen Schweiss und Traenen. Das Wetter ist ziemlich umgeschlagen. Es regnet jetzt fast dauernd. Und es ist kaelter geworden. Morgens trage ich jetzt meine neuen Handschuhe. Zuegig geht es auf der Landstrasse bergan. Ich will zunaechst nach La Faba auf 920 m Hoehe. Dort will ich eine Mittagspause machen und etwas essen. Es geht durch Vega de Valcarce und Ruitelan. Wegen des Regens lasse ich meinen Fuehrer stecken, damit er nicht durchweicht.

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Unten in Las Herreiras hätte ich nach La Faba abbiegen müssen – gehe aber 5 km in die falsche Richtung weiter

Es kann ja in dem engen Tal eigentlich nur in eine Richtung gehen. Kilometer weit gehe ich die Landstrasse hoch. Mir faellt auf, dass es schon lange keinen Pfeile mehr gab. Also doch den Fuehrer raus. Fassungslos blicke ich auf die Route. Da konnte doch nur Kerkeling passieren, hatte ich zu Hause noch schwadroniert. Ich hatte mich verlaufen. Bin fuenf unnuetze Kilometer auf einer langweiligen Landstrasse steil bergauf gelaufen. Jetzt muss ich die wieder herunter, denn nach La Faba geht es in ein Seitental ab. Macht zusammen zehn. Dabei waren es so schon 20 km der haertesten Etappe, die der Camino bietet.

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Steil, sehr steil geht es nach O Cebreiro hinauf

Bis nach Las Herreiras laufe ich und da sehe ich den gut sichtbaren gelben Pfeil. Selbst schuld! Also nach La Fabe durch ein schoenes Bachtal. Ich hatte von oben von der Landstrasse immer drauf gesehen und gedacht, wieso geht er Camino nicht dort lang. Sogar ein Foto hatte ich gemacht…

Nach La Faba geht es steil bergauf. Ich gerate das erste Mal an meine Grenzen und bin voellig erschoepft. Immer noch eine Kehre und noch eine. Dazu Regen und ein steiniger und matschiger Weg. Puhh! Als La Faba endlich auftaucht, freue ich mich wie selten auf die Bar. Ich bestelle ein Bier und irgendwas vom Schwein. Wir verstaendigen uns mit Fluegelschlagen fuer Huhn (Nein!) und Grunzen. Dann eben Grunzen!

Nebenan am Tisch bekommen Waldarbeiter fast ein halbes Schwein aufgedeckt. Sieht so ein bischen nach Eisbein aus. und was fuer eine Portion. Dann komme ich nie weiter den Berg rauf, denn 5 km sind es noch steil, sehr steil bergan nach O Cebreiro. Mein Teller wird dann aber ueberschaubarer, dazu gibt es einen tollen Salat und danach einen Flan. Mit zwei Bier und einer Dose Cola als Ueberlebensdosis auf der letzten Strecke zahle ich fuer alles 11 Euro. Da muss ich mich fast schaemen.

Nach zwei Kilometern in einem kleinen Weiler, in dem Kuehe und Bullen auf mich zu kommen, muss ich schon an meine Cola ran, um noch einen letzten Schub zu bekommen. Ich bin nach 30 km Berg ziemlich am Ende. Soll der Bulle mich doch auf die Hoerner nehmen. Ich trinke meine einzige Cola und schaue ihn frierend und erschoepft an. Er hat wohl Mitleid mit mir und laesst mich in Ruhe. Weiter geht es.

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Ländlich ist es in Galizien

Als die Kirche von Cebreiro aus dem Jahr 900, die aelteste am Weg, auftaucht, bin ich uebergluecklich. Allerdings steht auch gleich ein oesterreichischer Bus davor. Es haette keinen Kilometer laenger dauern duerfen. Als ich in die Kirche komme, wo ich einen wunderschoenen grossen mehrteiligen Stempel in mein Credenzial bekomme, halten die Oesterreicher eine kurze Messe ab und singen in der Kirche. Ich bin ergriffen und ueberwaeltigt und setze mich in die Bank. Fast werde ich katholisch, aber dann schwaermen die Oesterreicher aus und laufen fotografierend ueberall hin, sogar bis hinter Altar. Dann werden Andenken gekauft und so weiter. Es wird wieder sehr irdisch.

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Hostie und Messwein wurden zu Blut und Fleisch – Eine der ältesten Kirchen der Welt in O Cebreiro

Das Dorf sieht richtig keltisch aus, wie aus Asterix und Obelix. In der ersten Herberbe, in der ich frierend und nass frage, soll ich 40 Euro bezahlen. Ich suche weiter und finde eine viel schoenere fuer 30 Euro. Und Internet haben sie dort auch. Erstmal duschen, waschen, trocknen, aufatmen.

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O Cebreiro – ein keltisches Dorf in Galizien

Der schwerste Teil des Weges liegt hinter mir, der Camino Duro. Ich bin in Galizien mit seiner Hauptstadt Santiago de Compostella, meinem Ziel. Es sind noch 150 km. Ich bin wieder trocken und ich habe ein Bier. Ich bin gluecklich, denke nicht an morgen, wenn es wieder regnet.

Die Franzosen, die am letzten Abend neben mir gegessen haben, sind auch angekommen. Sie hatten sogar Schnee, Graupel und Sturm. Aber jetzt werde ich mein Pilgermenu geniessen… Morgen geht es weiter nach Santiago. Noch sechs Etappen, dass muesste zu schaffen sein.

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Mittelalterliches Ambiente Hostal in Cebreiro

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