Es wird galizisch – Riego de Ambros

Etwa 12 Km vor Ponferrada kommen wir im Refugio von Riego de Ambros unter. Es ist in einem renovierten alten Haus untergebracht und besteht aus 2 und 4-Bett-Kammern, die oben offen sind. Auch das daneben liegende Klo ist oben offen. Aber wir sind ja Pilger und ich habe sogar eine Doppelkabine fuer mich allein. Die Haeuser sehen ganz anders aus, sie sind offensichtlich galizisch und haben grosse Balkons.

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Riego de Ambros im steilen Abstieg

Als die Glocken um kurz nach 18 Uhr laeuten, nehmen mich Bert und Karla mit in die kleine Kirche, wo zwei Pfarrer extra fuer uns einen Gottesdienst abhalten. Er ist aber rein auf spanisch und ohne Singen. Na ja. Dann kommt auch noch das katholische Abendmal und Bert, der weiss, dass ich Protestant bin, nickt mir zu. Mehr sage ich jetzt aber nicht, falls etwas gegen Kirchenrecht verstoesst…

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Die kleine Kirche von Riego de Ambros im Abendlicht

Danach geht es nach gegenueber zum Essen. Es gibt ein gutes Essen und ganz netten Wein. Bert und ich haben zum Schluss noch Lust auf einen Brandy. Bert meint, man koennte doch einen Carlos Primero nehmen. Wieso nicht? Als die Quenta kommt sind wir beide etwas bleich: Das Drei-Gaenge-Menue mit Wein kostet 19 Euro, die beiden Primeros 16. Aber die Glaeser waren auch wirklich voll…

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Es war schon immer teurer, einen besonderen Geschmack zu haben

Ohne Fruehstueck muessen wir Richtung Ponferrado abruecken. Erst im letzten Haus des naechsten Ortes Molinaseca gibt es ein Fruehstueck. Das war knapp, denn nach Ponferrada gehen wir noch bis 13 Uhr und stehen im beginnenden Regen vor der am Montag geschlossen Tempelritter-Burg, die sich imposant ueber uns erhebt.

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Wir gehen ins Tourist Office, den fuer Bert ist hier Schluss. Er muss wieder zurueck in die Klinik und fliegt ab Santiago. Ich muss eine Etappe springen, um rechtzeitig fuer meinen Flieger in Santiago zu sein. Sonst muesst ich wieder Gewaltetappen gehen. Und die Blasen sind immer noch nicht voellig verheilt. Ich kaufe mir noch duenne Handschuhe, denn im Wetterbericht gesellen sich „Schneezeichen“ fuer Nordspanien auf den Bildschirm.

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Klingeln – dann gibt es in der freundlichen Tienda in Riego de Ambros selbst am Sonntag etwas

Wir verabschieden uns. Es war wieder sehr schoen mit einem Partner unterwegs zu sein, aber jetzt muss ich allein weiter. Ich nehme den Bus nach Villafranca al Bierzo. Von dort gehe ich noch bis Trabadelo etwas ueber 10 km, so dass ich wieder eine 25 km – Etappe erlaufen habe.

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Die Tempelritterburg von Ponferrada – Bert muss nach Berlin zurück

In dem netten Hostal „Nova Ruta“ mit einem sehr guten Essen komme ich unter. Es gibt wieder Forellen, die direkt unter meinem Fenster schwimmen. Zum ersten mal trinke ich einen wuerzigen Bierzo. Dazu gibt es einen Orujo, den galizischen Grappa. Als die Wirtin merkt, wie gut er mir schmeckt, muss ich gleich noch einen trinken. Endlich mal ein Bett fuer mich allein.

Ich beginne wieder ein Leben als „Edelpilger“, denn auch am naechsten Etappenort O Cebreiro will ich angesichts des andauernd schlechten Wetters wieder in ein Hostal. Dort kann man in Ruhe seine nassen Sachen trocknen.

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