Die hoechsten Berge des Camino – und die wilden Hunden von Foncebadon

Ich hatte jetzt einige Tage kein Internet und muss heute nachschreiben. Aber ich will nichts vorwegnehmen.

In Rabanal de Camino am Fusse der Montes Leon war es sehr schoen bei den Schwestern von St. James. Alles englisch distinguiert. Ein wunderschoener Garten. Gute Betten und ein nettes Ambiente. Dazu direkt nebenan die Moenche von St. Ottilie. Drei harren dort aus und lesen in der Kirche gegenueber die Messen. Vor dem Essen gingen wir in die Vesper. Schoene lateinische Gesaenge und eine besondere Athmosphaere.

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Das sind die Höhenlinien des Camino – ein einziges Hoch und Runter

Danach sind wir in ein Restaurant zum Essen gegangen und haben dabei das Gute erwischt. Man merkt das immer daran, wenn viele Spanier da sind. Mit dabei waren John, ein Immobilienmakler aus New York, Karla (fast 65 und unterwegs) aus dem Tessin/Schweiz und Bert, der Medizinprofessor an der Charite´in Berlin ist. Es ist eben immer eine bunte Mischung auf dem Camino.

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Ein tolles Essen mit Karla, John und Bert in Rabanal

Wir geniessen ein tolles Essen und einen guten Wein. Bislang bin ich nicht entaescht worden. Nach dem Essen gehen die anderen noch zum Pilgersegen. Ich muss meine Sachen noch richten, damit es morgen frueh weiter gehen kann. Die Schwestern von St. James schmeissen ein naemlich unnachgiebig raus… Nachts gibt es mal wieder Schnarcher und Huster. Also rein mit den Hurricane-Ohrstoepseln. Schon schlaeft es sich besser. Morgens gibt es dann noch ein Fruestueck von den Schwestern. Fuer das Bett und das Fruehstueck wird eine Spende erwartet und an den freudigen Gesichtern der St.James Schwestern sehe ich, dass ich ihren Erwartungen gerecht werde.

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Auf dem Weg nach Foncebadon

Mit einem tollen Sonnenaufgang geht es hinauf nach Foncebadon und dem Cruz de Ferro, mit ueber 1500 m der hoechste Punkt des Camino. Es geht sich aber gut: Es geht angenehm hoch und ist nicht steil. Foncebadon ist aber nicht mehr so verfallen, es ist viel gebaut worden, unter anderem eine nette private Herberge mit Bar. Dort gibt es erstmal einen richtigen Cafe con Leche und ein Bocadillo mit Schinken. Mit Roger aus LA, der eigentlich aus Australien kommt und mit einer 18 Personen starken Gruppe aus Australien und Tasmanien unterwegs ist, fachsimpele ich noch ein bischen ueber MP3-Player.

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Ganz früh sind Bert und ich schon unterwegs

Dann geht es weiter, vorbei an den wilden Hunden von Foncebadon, die aber voellig teilnahmslos daliegen und kein Mucks machen. Und ich hatte schon meine Stoecker abgeschnallt…

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Die „wilden Hunde“ sind eher teilnahmslos

Nach einiger Zeit tut sich vor einem Schneepanorama die Spitze des Cruz de Ferro auf. Auch die Australier sind mit uns da. Eine der Frauen legt wie wir alle einen Stein ab und ist sehr traurig. Mit den Steinen legt man seine Seelensorgen am Kreuz ab. Wir machen noch einige Fotos und ich suche den bunten Stein, den Christhilde und Hildegard letztes Jahr abgelegt haben. Aber ich finde ihn nicht mehr. Er war wohl zu schoen und hat einen neunen Freund gefunden. Egal, denn mit der Ablage des Steins ist ja sein Sinn erfuellt… Ein Muschelstein finde ich, den ich auch sehr schoen finde. Aber das bringt bestimmt ein schlechtes Karma, ihn mitzunehmen. Wir gehen weiter und wollen in Riego de Ambros uebernachten.

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Bert am Cruz de Ferro: Dort kann man seine Seelenlast zurücklassen

Als wir nach Manjarin kommen, treffen wir auf den verrueckten spanischen Hospitalero mit seinen Schildern, die in alle Welt weisen (Maccu Piccu 9453 km). Er selbst starrt vor schmutz und wer Floehe haben will, uebernachtet in seiner Albergue, wenn man die ueberhaupt so nennen kann. Seine Hunde sind uebrigens wirklich wild und bedrohen spaeter Karla, die nach uns kommt. Sie muss einige hundert Meter im Auto eines Spaniers mitfahren, um an den Hunden vorbei zu kommen. Aber erlebt von seinen Stempeln und den paar Andenken, die Peregrinos kaufen. Jeder schaut sich bei dem bunten Vogel um, der ein Tempelritter-TShirt traegt.

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Die Burg des letzten Tempelritters in Manjarin

Nachdem wir noch einen Huegel ueberqueren, haben wir einen ersten tollen Blick auf Ponferrada. Es wird aber noch einen Tag dauern, bis wir vor der Tempelritter-Burg von Ponferrada stehen. Zu Fuss sind Entfernungen eben doch was anderes.

Steil geht es nach El Acebo hinunter, wo ein Rad-Denkmal auf den dort toedlich verunglueckten Heinrich Krause aus Deutschland hinweist. Haben seine Bremsen versagt? Wer weiss das. Er ist einer der vielen, fuer die der Camino der letzte Weg ist. Immer wieder stehen solche Schilder und Kreuze am Weg. Es sind Grabsteine, an denen jedes Jahr zehntausende von Menschen vorbeikommen und an dieToten denken…

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