Durch die Montes de Oca zum Beginn der Menschheit

Ich haette den Wecker besser abstellen sollen. Als ich gerade die Toilette benutzte – einige Zimmer weiter hoerte ich meinen Wecksound „Boulevard of Broken Dreams“. Und das um 5.45 Uhr, denn wir hatten uns bereits fuer 6.30 Uhr an der Pilgerherberge verabredet, um von dort vor der Sonne in die Berge zu starten. Zumal gleich ein steiler Anstieg auf uns wartete. Also runter von der Toilette, ein leises Entschuldigung zu jeder geschlossenen Tuer, hinter der ich einige Flueche vermutete, und das Wecker-Handy ausstellen. Und wieder zurueck.

Puenktlich war ich da, Lizzy hatte eine Moeglichkeit gefunden Kaffee zu kochen. In aller Fruehe sassen wir im Garten der Pilgerherberge. Dann ging es los – steil bergan. Ich schnitzte Lizzy erstmal einen Pilgerstab, um den Anstieg zu erleichtern. Ohne Stoecker sollte man sich nicht auf den Weg machen, meine Leki Traveller Nordic Walking Stoecker waren meine wichtigsten Utensilien. Es war eine tolle Landschaft mit riesiger Erika-Heide. Oben am Pass erinnerte ein Denkmal an die Opfer des spanischen Buergerkriegs von 1936, in dem die Legion Condor der deutschen Luftwaffe eine unruehmliche Rolle gespielt hat.

img_5246_bildgrose-andern.JPG

Andre quält sich die enorme Steigung hoch – eine von vielen!
Ueber zehn Kilometer ging es durch die Heide und den Wald, eine ueberwaeltigende Landschaft. Schliesslich kam St. Juan de Ortega mit seiner riesigen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. St. Juan de Ortega war ein Schueler von St. Domingo de Calzada und hat mit seinen Bruecken und Wegen den Pilgern den Marsch durch die Oca-Berge erleichtert. An der kleinen Bar des Ortes gab es erstmal ein Bier. Da es dort keine Bocadillas gab, kratzten wir alles zusammen, was wir hatten und teilten. Orangen, Muesliriegel und so weiter. Dann kamen die letzten acht Kilometer fuer diesen Tag bis nach Atapuerco auf uns zu. Kurz vor diesem Ort liegt uebrigens Aces, dessen Pilgerherberge sehr gut sein soll. Auf dem Weg sponnen wir ein wenig ueber die Fussballerfolge unserer Laender herum und fragten Lizzy nach der Zahl der gewonnen Weltmeisterschaften der Englaender…

img_5248_bildgrose-andern.JPG

Mein Schatten auf dem Weg durch die Montes de Oca
Aber auch in Atapuerca konnten wir uns nicht beklagen. Eine sehr neue Anlage mit EU Geldern errichtet. Gute Duschen, die wir erstmal nutzten wie jeden Tag nach dem anstrengenden Wandern. Dann Fusswohl auf die Fuesse und Voltaren auf die Beine. Zusammen haben wir dann in einer kleinen Bar Bier und Bocadillos genossen.

Danach bin ich noch in das Praehistorische Museum des Ortes, der naemlich weltbekannt ist. Dort wurde der „Homo antecessor“ gefunden, der erste bekannte europaeische Mensch. Er lebte dort und jagte Bueffel und anderes Getier. Manchmal assen sie sich auch selbst auf, erfuhr ich im Museum. Gut konnte man sich vorstellen, wie unsere Vorfahren in den weiten Huegeln gelebt haben und einer Karsthoehle ihr Wild verspeisten. Der Archaeologie-Park war dann mehr etwas fuer Kinder.

img_5284.jpg

Die Kirche von Atapuerca im Abendlicht
Abends haben wir dann wieder nett zusammen gegessen und noch einen Landsmann von Andre dazu gebeten. Um 21.30 kamen wir zurueck und im Zimmer war es bereits dunkel. Also Ausziehen und Sachen ordnen mit der Stirnlampe. Nachts stand dann die Franzoesin gegenueber alle fuenf Minuten auf. Als sie mir vor das Bett k……, wusste ich, dass sie krank war. Also wieder Licht an und Aufwischen. In mir reifte der sichere Entschluss, mir in Burgos, meiner naechsten und letzten Etappe ein Zimmer in einem kleinen Hostal zu nehmen.

Morgens ging es dann muede los, ich hatte wirklich nicht viel geschlafen… Aber die Sonne schien wieder als wir den Pass hinter Atapuerca erklommen. Allerdings blies der Wind einen fast um. Lizzy war auf einmal die Schnellste von uns, denn sie hatte eine Kanadierin und einen Australier getroffen. Da konnte sie als gute Englaenderin im Commonwealth natuerlich nicht zurueckstehen. Hinter dem Pass hatte wir dann die erste Sicht auf die Grossstadt Burgos, ueber 300 Kilometer nach St. Jean Pied de Port.

img_5222_bildgrose-andern.JPG

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar