In die Montes de Oca – Neue Freunde statt Banditen

Habe in Redecilla ganz ordentlich geschlafen. Morgens ging es weiter, allein. Nach einer Weile dachte ich, dass eine ganz nette Deutsche nur wenige hundert Meter vor mir ist. Ich gab also etwas (Fuss-)gas, um mal wieder ein nettes Gespraech unterwegs zu haben. Als ich aufgeholt hatte, war sie es aber nicht. Es war eine Italienerin, die aber sehr gut englisch sprach: Stephanie aus Milano, Kinderpsychologin. Wir hatten so ungefaehr ein Tempo und schnell entsponn sich ein sehr gutes Gespraech: Ueber Ehe und Familien, Kinder und Erziehung und die Gelegenheit, auf dem Camino ueber all das nachzudenken. Ueber eine Stunde (also rund vier Kilometer) sprachen wir, ehe wir eine Pause in einem kleinen Weiler machten.

img_5219_bildgrose-andern.JPG
Das neue Team: Andre (Brasilien), Detlev (Deutschland), Stephanie (Italien) und Lizzy (England)

Nun stiess Andre dazu, der nette Brasilianer aus Brasilia. Andre hat spanisch studiert und spricht ebenfalls sehr gut Englisch. Ihn hatte ich bereits einige Male auf dem Camino getroffen oder ueberholt, oder er hatte mich ueberholt. Da waren wir drei, die den Weg fortsetzten. Kurz darauf stiess Lizzy aus dem Norden Londons dazu, eine Psychiatriekrankenschwester, die wie Andre den ganzen Camino gehen will. Stephanie ist im letzten Jahr bereits von Leon nach Santiago gegangen und besitzt bereits eine Compostela. Sie will aber trotzdem den kompletten Weg gehen.

Unterwegs tranken wir ein Bier, denn es war sehr warm. Vor allem achtete ich nach der durstigen Tour nach Granon jetzt darauf, immer genug Wasser dabei zu haben. Wir spuerten sofort, dass wir ein gutes Team sind und hatten auf Anhieb viel Spass miteinander. Nun war ich sozusagen der Protestant in einem katholischen Team.

img_5195_bildgrose-andern.JPG

Morgendlicher Aufbruch in Redecilla de Camino

In Villamayor Montes de Oca nahm ich in einem kleinen Fernfahrerhostal fuer 20 Euro ein Zimmer. Das Bad und die Toilette auf dem Flur, was mir noch zum Verhaengnis werden sollte. Nach einer kurzen Dusche, der Einnahme meines letzten Magnesium (ich haette mehr mitnehmen sollen, Brigitte) und einer ordentlichen Voltaren-Massage ging es in hinunter in die Bar El Puerto.

Gemeinsam nahmen wir dort ein Lunch ein: Eine der besten Paellas, die ich je gegessen habe, einen Merluza con Salsa und einen leckeren Flan, den typisch spanischen Pudding mit Karamellsosse. Dazu gab es einen guten Tinto, Pan und Aqua, und das alles fuer neun Euro. Nun wusste ich, wieso so viele Fernfahrer eingekehrt waren. Die staendigen Trucks auf der Strasse waren allerdings doch recht nervig.

img_5206_bildgrose-andern.JPG

Die wunderschöne Kirche in Belorado – von Störchen bewohnt

Es entsponn sich noch ein nette Gespraech, und so hatte ich nur noch eine Stunde Pause bis zum Diner. Fuer ein kleines Geld dann nochmal Calamares und eine Flasche Rioja. Lizzy und Andre kamen gerade noch zum Pilgerumschluss nach Hause… Morgen sollte es dann in die Montes de Oca gehen, wo in den alten Pilgerfuehrern vor Banditen gewarnt wurde. Auf ueber 1150 Meter steigt der Pass dort an, umrahmt von 2000ern.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar