Viana – kurz vor Logrono

Schritt fuer Schritt setzte ich – mit inzwischen fast 200 Kilometern in den Beinen. Der Muskelkater, in den Oberschenkeln vor allem, macht sich immer mehr spuerbar. Aber ich habe immer noch keine Blasen und die Fuesse funktionieren. Nicht wenige mussten schon aufgeben oder ein Pause einlegen. Uebrigens: nur 15 Prozent der Pilger, die in Frankreich losgegangen sind, kommen an.

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Wein und Oliven vor Viana
Die Grossunterkunft in Los Arcos war eigentlich gut, trotz der vielen Betten konnten wir gut schlafen und waren ausgeruht. Kaum Schnarcher im Raum – das ist selten. In der Pilgerunterkunft versahen zwei Wienerinnen Dienst an den Pilgern. Eine ist Krankenschwester und musste einige wunde Fuesse verpflegen. Auch bei einem der aelteren Mitpilger, der immer mit flottem Fuss unterwegs ist, hatte sich vorn die Haut vom Ballen geloest. Souveraen hat die Oestereicherin mit viel Pflaster und Compeed die Aufgabe geloest.

Schwieriger war es schon bei Christhilde, die gleich zwei Blasen zu versorgen hatte. Die Krankenschwester hat das toll gemacht. Ueberhaupt waren alle in der Casa Austria sehr nett. Abends haben wir dann noch am Platz nett gegessen. Mit dabei auch Matthias aus Sueddeutschland, der sogar ein weisses Hemd dabei hat. Er schlaeft immer in Pensionen, weil er so schnarcht und die anderen nicht stoeren will. Pasta und Salat und einen 98er Rioja Crianza gibt es, schliesslich sind wir ja hier im Rioja. Und weil wir so guenstig untergekommen sind habe ich mir noch einen Conde de Osborne und eine Cigarillo geleistet. Ich bin ja schliesslich kein Muschelbruder… Um 22 Uhr mussten wir im Bett sein, dann wurde das Licht ausgemacht. Schliesslich geht es morgens um 6.00 Uhr wieder an, um kurz vor 7.00 Uhr gibt es das Fruestueck und dann geht es los. Fuenf Sterne fur die Casa Austria/La Fuente!

Im Laden schnell noch etwas Brot und Kaese und dann wieder: Klack, Klack von den Stoeckern und ein kraeftiges Auftreten auf den jetzt zumeist geschotterten Strecken. Immer wieder gibt es mal einen unbefestigten Aufstieg, an dem man ordentlich ins Schwitzen kommen. Wir sind jetzt mitten im Weingebiet und so waechst zumeist Wein um uns herum, mitunter auch Getreide. Dazu hoere ich das Hoerbuch von Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg. Alles ist gruen, dazwischen viel Klatschmohn, der mit seiner tiefroten Farbe der Landschaft immer wieder eine besondere Note gibt. Immer wieder mal ein Foto, um die tollen Eindruecke festzuhalten. Leider haben die Internetcafes keine Kartenslots, so dass ich keine Bilder mehr hochladen kann.

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Ein kleiner Laden in Torres del Rio

In einem kleinen Dorf gab es einen kleinen Laden, wo Oma und Opa die Waren aus einer Luke herausreichen. Auf dem kleinen Platz des Ortes koennen wir essen und trinken. Leider gibt es nur selten offene Cafes. Ueberhaupt gibt es wenig Orte an der Strecke. Gestern sind wir bis Los Arcos 12,5 Kilometer ohne Ort gelaufen – aber auch durch eine wunderschoene Landschaft.

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Feldarbeit – von Hand gemacht

In Viana angekommen hat sich Christhilde eine dritte Blase zugezogen. Die Pilgerherberge hat nun dreistoeckige Betten. Das ist nun doch etwas zuviel, denn damit steigt die Chance Schnarcher dabei zu haben, erheblich. Also nehmen die beiden Hildes und ich uns wieder ein 3-Bett-Zimmer in einer Pension. Allerdings geraten wir mit dem San Pedro an eine die drei Minuszeichen verdient. Ein kleines Zimmer und ein grauenvolles Bad, und das fuer 60 Euro, also 20 fuer jeden. Da waren die 10 Euro mit Fruehstueck gestern in der Casa Austria geschenkt. Die beiden erfahrenen Ruhestaendlerinnen haben erstmal eine Waescheleine quer durch das Zimmer gespannt. Da muss ich jetzt immer den Kopf einziehen.

Gleich werden wir ein Pilgermenue geniessen – natuerlich mit Rioja, der ja von hier kommt. Morgen geht es dann weiter nach Logrono. Soll aber nach Ansicht vieler nicht so schoen sein. Vielleicht fahren wir auch mal ein kleinens Stueck mit Bus oder Bahn. Bis jetzt bin ich ja im Gegensatz Hape Kerkeling jeden Zentimeter gegangen. Ich glaube, er hatte hier noch keine 30 Kilometer unter dem Schuh… Hoffentlich kann Christhilde mit ihrem Fuss weitergehen! In den naechsten Tagen hoffe ich in Burgos anzukommen und ich gehe davon aus, dass ich noch weiterkomme, ehe es fuer dieses Jahr auf dem Jakobsweg Schluss ist. Eines ist klar: Ich werde den Weg auf jeden Fall zu Ende gehen. Buen Camino!

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