Von Obanos durch Puente de Reina nach Estella

Wann endlich gibt es hier mal ein flaches Stueck. Immer geht es hoch oder runter. Immerhin ist es inzwischen trockener geworden. Und ich bin hier – in Lorca, einige Kilometer vor Estella.

In Pamplona hatte ich im Hostal Eslava geschlafen. Mit Blick auf die Nonnen unten in der Monasterio. Abends sind Paul und ich erstmal ein Bier trinken gegangen. Im Hemingways, wo man mit dem alten Herren – in Bronze – ein Bier trinken und eine Zigarre rauchen kann. Haben wir dann natuerlich auch gemacht. Danach haben wir im altehrwuerdigen Iruna nebenan gegessen, wie Ernest seinerzeit schon. Am naechsten Morgen ist Paul dann nach Leon und ich bin weitergegangen.

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Steil und matschig ist es zum Pass de Pedon – Fallen ist keine Schande

In Pamplona war der Weg gut ausgeschildert. Schnell ging es aus der Stadt heraus. Und dann – wieder Regen… Regenhose an, Regenhose aus. Und immer auf den steilen Pass von Pedon zu. Ploetzlich bekam ich einen unnatuerlich schnellen Puls. Ich dachte schon ich muesste aufhoeren. Dabei bin ich auf meine Pumpe eigentlich immer so stolz mit meinem niedrigen Ruhepuls und meiner schnellen Erholungszeit nach Belastungen. Nun dauerte es laenger als mir lieb war. Und das vor dem beruechtigt steilen Pass. Also erstmal eine Pause und in mich reinhorchen. Nach einer Viertelstunde ging es dann wieder. Da auf dem steilen und unheimlich rutschigen Passanstieg – ohne Stoecker ging nichts – alles OK war, bin ich weitergegangen. Jeder bekommt auf dem Camino irgendwann Probleme – Blasen, ein Wolf, Muskelprobleme, etwas mit den Sehnen, Erkaeltung und so weiter. Jetzt ist bis auf die allgemeine Erschoepfung wieder alles OK.

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Auf dem Pass das Pilgerkunstwerk

Der Pass war im Anstieg sehr grenzwertig. Irgendwie fehlte mir Paul auch. Ich ging den ganzen Tag bis fuenf Uhr allein bis Obanos, kurz vor Puente la Reina. Dort bin ich dann in die Pilgerherberge mit vierzig Betten in einem Raum. Gute Dusche, Waeschewaschen und auch eine schoene Bar. Erstmal bin ich zu Fuss nach Eunate am Aragonesischen Weg. Beide Wege kommen hier in Obanos zusammen. Wer mir das vor ein paar Jahren gesagt haette, dass ich erst ueber zwanzig Kilometer laufe und dann noch sechs um eine Kirche anzuschauen…

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Eunate – eine Templerkirche mit großer Mystik

Eunate, eine achteckige Kirche aus dem 12 Jh., von den Tempelrittern erbaut, war es wert. Welche klaren Formen und welche unvergleichliche Geschichte. Dann zurueck in die Bar. Dort traf ich > dos Hildes <. Die beiden Frauen aus Moenchengladbach, beide haben sich gerade zur Ruhe gesetzt, haben Paul abgeloest und sich jetzt meine Reisebegleiterinnen. Die Kirche in Puente la Reina ist wunderschoen, so viel Gold habe ich lange nicht mehr gesehen. Als ich eintrat war gerade Messe. Schnell nahm ich meine Kappe vom Kopf, aber da gab es schon boese Blicke. Heute hatte ich den ersten richtig trockenen Tag. Aber auch einen Anstieg, der noch matschig war, der es in sich hatte. Gestern haette ich den nicht haben muessen. Gleich geht es weiter nach Estrella. Vielleicht wollen wir drei Kilometer hinter Estrella in eine Pilgerherberge. Immer antizyklisch sein, so finden man am besten ein Bett. Buen Camino!

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