Bis ans Ende der Welt – nach Cap Finisterre

Es gibt ja viele Pilger, die den Rest des Weges bis zum Kilometer 0,0 auch noch zu Fuss gehen. Ich gehoere nicht dazu, will das wunderschoene Kap aber sehen und geniessen. Im Mittelalter sind viele Pilger bis an dieses damals bekannte Ende der Welt gegangen. Was muss das fuer ein Erlebnis gewesen sein? Und mit welchen Muehen wurde dieses Erlebnis erreicht – ohne Goretex und Wanderschuhe!

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Kilometer 0,0 und der Leuchtturm von Cap finisterre

Wir fahren also vom zentralen Busbahnhof mit dem Bus drei Stunden lang ueberwiegend an der Kueste entlang an das Ende der Welt. Ich steige aus dem Bus und wen laufe ich fast um? Den Tattoo-Man aus Austria, mit dem ich zu Beginn meiner Reise unterwegs war. Auch er ist inzwischen nach einem Start in Ponferrada angekommen.

Im Hafen esse ich erst mal eine Fischsuppe und eine Jakobsmuschel. Danach geht es zum Kap, das von gelbem Ginster ueberzogen ist. Nachdem wir uns den Kilometerstein 0,0 und den Leuchtturm angesehen haben, geht es weiter ans Kap. Dort wo die Pilger Teile ihrer Kleidung zuruecklassen und anzuenden. Ich lasse etwas zurueck, habe aber kein Feuer, um es anzuzuenden. Also bleibt es so bei den Schuhe zurueck, die andere Pilger dort gelassen haben. Mit einem letzten Blick machen wir uns auf den Rueckmarsch nach Finisterre.

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Hier, am Ende der Welt, verbrennen die Pilger ihre Pilgerkleidung

Heute abend werden Silvia, Konrad und ich ein letztes Mal zusammen essen. Dann geht es morgen wieder in unsere Alltagswelt zurueck. Die Zeit und den Weg werden wir aber wohl nie vergessen.

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Ein letztes Foto da, wo es nicht mehr weitergeht…

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und ein letztes gemeinsames Essen…

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…und ein letzter Blick auf die Kathedrale vor dem Rückflug ( Ach ja: vor 1000 Jahren mussten die Pilger zurückgehen…)

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Auf dem Sternenfeld mit der Compostella in der Hand

Geschafft! Ueber 600 km bin ich zu Fuss gelaufen – das haette ich zuvor nicht fuer moeglich gehalten. Motor fuer alles war sicherlich dieser aussergewoehnliche Weg: Die lange Geschichte, die gute Ausschilderung, die freundlichen Spanier und vor allem die tollen Mitpilger. Ohne Konrad und Silvia waere ich auf den letzten 150 Km sicherlich nicht so gut vorangekommen. Tolle Mitpilger wie auch Raphael, ein Physikprofessor aus Barcelona, der mit seinen 80 Jahren zeitgleich mit uns in Santiago angekommen ist.

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Morgenfrost und Bodennebel, als wir in Rua zu unserer letzten Etappe aufbrechen

Morgens sind wir von Rua aus im Frost los gelaufen. Es war nachts wieder kalt, ich brauchte im Zimmer meinen Schlafsack. Aber ein tolles Licht entschaedigt uns auf den letzten rund 25 km bis zur Kathedrale von Santiago. Fast mystisch hebt sich ein Baum vor dem aufsteigenden Morgennebel ab. Es wird sicherlich das Foto, das ich auf dem Weg mache, bin ich mir sicher.

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Letzte Blicke auf die tolle Natur des Jakobsweges

Wir gehen weiter durch Eucalyptuswaelder. In einem kleinen Ort machen wir eine Pause und es bestaetigt sich wieder, dass in keinem spanischen Papierhandtuchspender Papierhandtuecher sind. Dafuer wird mit einem “Fussfoto” und einer Erlaeuterung in vier Sprachen deutlich gemacht, dass es nicht erwuenscht ist, die Schuhe auszuziehen. Dabei tun wir Pilger das doch so gerne! Silvia holt schon mal ihr Maskottchen “Diego” heraus, von Bert im Rabanal als Kuscheltier identifiziert.

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Silvia und “Diego” fiebern dem Sternenfeld entgegen

Die Kilometersteine fehlen inzwischen. Wohl weil es nicht mehr 19, sondern nindestens 25 Kilometer nach Santiago hinein sind. Wir muessen naemlich um die Rollbahn des Flughafens von Santiago herumlaufen, das mussten die Pilger vor 1000 Jahren sicherlich nicht. Am Vortag hatte Konrads Schrittzaehler nach Rua 44300 Schritte gezaehlt. Das sind rund 35 Km. Daher sind unsere Fuesse heute etwas rund. Die Mehrkilometer in die Stadt tun weh.

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Schuhe auszeihen verboten! heißt es hier für Pilger

Aber zunaechst geht es erstmal auf den Monte Gozo, wo ein haessliches Denkmal an den Papstbesucht von Juan Pablo II erinnert. Dort treffen wir eine etwas aeltere Hamburgerin, die nur in Refugios schlaeft. Das sei doch selbstverstaendlich. Auf ihrem teuren Wollpulunder traegt sie eine Brosche: Goldener Golfschlaeger mit Perle als Golfball. Natuerlich ist sie nur die letzten 100 km ab Sarria gelaufen, ein gutes Pferd springt schliesslich nicht hoeher, als es muss. Ein Korschenbroicher, der ab Leon gelaufen sein will, den wir aber erst auf den letzten Kilometern trafen, muss als wir Erfahrungen austauschen zugeben, dass er hier und dort mit dem Bus gefahren ist. Auch ueber den Cebreiro. Einer seiner Mitpilger hatte bis nachmittags um 15 Uhr schon 44 Km gelaufen. Auch das gibt es. Na ja….

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Die Kathedrale von Santiago tut sich für uns auf

Um 16 Uhr sind wir auf dem grossen Platz, dem Sternenfeld vor der Kathedrale, eingerahmt von der frueheren Pilgerherberge, jetzt dem ***** Hotel Parador Los Reyes Católicos. Vielen Dank fuer deinen Tipp Bert, es waere bestimmt toll gewesen, aber die zwei Naechte haetten wir uns wohl nicht leisten koennen.

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Ich bin endlich dan, nach über 600 Kilometern zu Fuß …

Wir gehen ins Pilgerbuero und bekommen dank unserer vielen Stempel in den Credencials anstandslos die Compostella. Sicher in einer Papprolle verwahrt nehme ich sie mit nach Hause. Danach geht es in die riesige Kathedrale. Anfassen darf man die Saule am Eingang auch als Pilger nicht mehr, sie ist von einem Gitter geschuetzt. Tief haben sich die Finger der Pilger ueber die Jahrhunderte in die Saeule eingegraben.

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Die Säule wird jetzt von einem Geländer geschützt

Das Kirchenschiff ist riesig, vor allem der Altar, der sogar begehbar ist. Gold, Skulpturen und Putten bestimmen das Bild. Es ist imposant. Ich gehe auch an der Kammer vorbei, in dem die Gebeine des heiligen Jakobus in einem goldenen Schrein ausgestellt sind, verspuere aber nichts besonderes. Der Weg war mein Ziel, nicht dieser Goldschrein. Aber er gehoert zum Weg dazu. Abends feiern wir unsere Ankunft mit einem schoenen Essen. Morgen soll es noch ans Ende der Welt gehen.

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Der riesige Altar – sogar begehbar

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Und der Reliquienschrein mit den Gebeinen des heiligen Jakobus (?)

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33 nasse Kilometer schnellen Schrittes zum O Acrivo in Rua

Nass, was ist das eigentlich? Vorher wusste ich es nicht, seit einigen Tagen lerne ich alles ueber Naesse. Da ist der Fluss und der Bach, der immer mehr anschwillt. Der Regen, der mal duenn daher kommt, oder der ueber uns ausgeschuettet wird. Das nasse Gras der Wiesen. Das Moos, das auf den saumenden Mauern allgegenwaertig ist. Schoen nass natuerlich und vor allem hier, weil es so nass ist. Unten der Matsch, die Pfuetzen, die schlammigen Stiefel, die unten schmutzige Hose. Nass natuerlich. Der Hut, der nass ueber die Ohren haengt. Die Jacke, die vollkommen nass ist. Auch innen.

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Wo geht es lang – das ist hier die Frage

Und da sind wir schon beim Thema. Nass ist nicht schlimm. Die Naesse unter dem Goretex muss nur warm sein. Wir hangeln uns also von Bar zu Bar nach Santiago. Nur: Nach jeder Pause ist die Naesse unter dem Goretex kalt. Also kommt hoffentlich bald der naechste Huegel, an dem man ins Schwitzen kommt. Dann naemlich wird die Naesse unterm Goretex wieder schoen warm. Fast angenehm.

Ach ja: Huegel kommen oft – eigentlich immer. Es geht hoch und runter und hoch und runter. Komisch, dass weder Hape, noch Shirley McLaine, noch Paulo Coelho davon berichten. Oder hat Hape die letzten Kilometer vor Santiago auch durch die Busscheibe gesehen? Hoch und runter heisst: Wasser trinken, wobei wir wieder bei der Naesse waeren.

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Eine der vielen Pilgerstatuen in den Kirchen. Von dieser bekomme ich ein Bild mit deutschen Pilgerhinweisen

Egal, wir sind jetzt 19 Kilometer vor Santiago und morgen da, wenn nichts mehr schief geht. Wir sind langsam in Hochstimmung. Konrad und ich mussten mal wieder in ein Doppelzimmer. Silvia hat ein Doppelzimmer fuer sich allein bekommen. Das letzte Zimmer. Wie mag das im Mai sein. Die Refugios sahen wenig ansprechend aus. Aber hier ist es nett! So, gleich geht es zum Essen! Und viele Gruesse an die, die schon oder noch zu Hause sind. Danke, dos Hildes fuer eure Tipps!

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Pulpo ist die Nationalspeise in Galizien – Es gibt sogar Pulperien

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5 Sterne fuer das Hostal Continente in Melide

Melide ist nicht gerade ein schoener Ort. Man koennte vielleicht sogar sagen, ein haesslicher. Hohe Blocks, arme Huetten und Leute. Graffiti. Nicht so das Hostal Continente. Der Padrone ist ein hervorragender Winzer, der auf seinem kleinen Acker tausend Liter herstellt nur fuer sein Hostal. Einen davon haben wir am Samstag abend getrunken und seine wunderbaren Orujo-Spezialitaeten dazu. Der Wein ist einfach koestlich und allein schon den Besuch wert. Fruchtig, koerperreich, obwohl er nicht wie ich glaube 13, sondern nur 11 Prozent hat. Egal, er schmeckt wunderbar.

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Wein und Paella sind von bester Qualität: DANKE!!

Mama spricht nicht nur gut englisch, sie kocht auch einfach koestlich. Wir beginnen mit einer Paella, die vor Muscheln, Shrimps und bestem Pollo nur so strotzt. Dazu eine Riesengamba an der Grenze zum Hummer… Lecker, Lecker – kann man nur sagen. Danach folgen die besten Caramares die ich je gegessen habe. Ein ganz duenner Mantel aus Ei und das Ganze al dente. Keine Gummiringe, wie so oft. Und es ist so viel, dass ich es nicht alles schaffen kann.

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Bei unserem Abschied bedanken wir uns herzlich für diesen Höhepunkt

Gluecklicherweise kommt noch ein Orujo mit Hierbas – ganz mild – einer mit Cafe und einer solo. Ich schlafe tief und fest. Morgens macht uns Mama Cafe con leche und gebackenes Brot mit ein wenig Ein und Zucker. Das gibt Kraft fuer die 33 km bis zum Km 19, die wir uns vorgenommen haben. Als wir das tolle Hostal verlassen kommt von oben – Regen -, was sonst….

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Im Regen nach Melide – nur noch 50 Km

Nur noch 50 Km bis Santiago. Jetzt wird es ernst. Es kann eigentlich nichts mehr passieren. Es ist Samstagabend und ich muss erst Mittwoch zurueckfliegen. Ich werde ankommen, da bin ich mir ganz sicher. Die 28 Km heute waren gut zu gehen.

Bei den Los Allemandes, einem spanischen Geschwisterpaar, das in Stuttgart geboren ist, trinken wir etwas und treffen auf einen Italiener, der seinen Hund, ein Windspiel, in der Jacke nach Santiago traegt. So geht es auch! Und es regnet wieder…

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Der italienische Pilger mit seinem Windspiel

Wir schon so oft, sind wir pitschenass, als wir im Hostal Continente in Melide eintreffen, dass im Paderborner Pilgerfuehrer ueber den gruenen Klee gelobt wird. Die Wirtin kann sehr gut englisch, hat einen tollen Humor und kann offensichtlich blendend kochen. Sie verraet uns, dass als heute als Primo Paella gibt. Der Duft zieht schon durchs Hotel. Lecker! Dazu werden wir als Sekundo Calamares essen. Vielleicht heute mal ein Weisswein? Und unsere Wirtin waescht sogar unsere Waesche, haengt sie auf und legt sie spaeter fuer uns zusammen. Noch ein dickes Dankeschoen!!

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Ständig geht es jetzt durch kleine Dörfer – und dazwischen Hügel und Täler

Morgen geht es auf die letzten 50 km nach Rua, bis auf 19 Km vor Santiago. Dort ist ein weiteres tolles Hostal. Dann wird es schliesslich richtig ernst, am Montag wollen Konrad, Silvia und ich in Santiago ankommen. Aber erstmal der Blick vom Monte Gozo. Ich freue mich schon. Vielleicht reicht die Zeit noch fuer eine Tour zum Cap Finisterre. Die Compostella ist jetzt zum Greifen nah!!

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Verfroren in Ventas de Naron

Ich habe leichte Probleme mit meinem linken Fuss, ganz so weit geht es heute nicht. Konrad war auf einem Stein in einer Pfuetze ausgerutscht und sah ziemlich verschmutzt aus. Gluecklicherweise ist nichts passiert, so dass er in Ventas de Naron, einer Alberge auf einem kleinen Bauernhof, nur seine Sachen waschen muss. Abends gibt es wieder ein Pilgermenu, bei dem uns Christa aus Garmisch Gesellschaft leistet. Bis in den Abend hinein reden wir ueber unsere Motive, den Camino zu gehen. Als sich der Wein lehrt und ein ganz kleiner Orujo gehen wir ins Bett.

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Ein schöner Abend mit guten Gesprächen dem eine sehr kalte Nacht folgen sollte

Silvia und Christa schlafen in einer Mehrbett-Unterkunft, Konrad und ich haben je ein Zimmer. die Heizung ist zwar an, aber es ist lausig kalt. so liege ich in meinem “Hotelzimmer” im Schlafsack und meiner in meiner Fleecejacke. Morgens geht es nach einem Cafe weiter. Es gibt nicht mal einen Toastado. Ich habe meinen Fuss behandelt und es geht wieder ganz gut. Wir sind schon um 11 Uhr in Palas de Rei, wo wir in ein Cafe einkehren.

Die Wirtin dort ist bestimmt noch ungekuesst (oder ungeoeffnet, wie eine Mitpilgern meint). Sie stellt sich ziemlich unbeholfen an. Offensichtlich hat sie sich geschnitten und laesst ihr Blut an meinem Kaffeeloeffel, Silvias Tasse und den Credencials, die sei stempelt…

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Überall begleiten uns jetzt die Maisspeicher. Die Platten an den Füssen sollen verhindern, dass die Mäuse an den Mais kommen

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Von Morgade nach Ventas de Naron

Es geht jetzt durch ganz kleine Orte. Weiden, Steinmauern und alte Baeme saumen den Weg. So langsam meldet sich mein Baenderapparat im rechten Fuss. Die fast 300 km sind eben kein Pappenstiel. 30 km werden wir heute so wohl nicht schaffen. Wir peilen Hospital da Cruz an, kommen aber ueber Portomarin bis nach Ventas de Naron.

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Der Bach ist der Weg – einfach ein paar Steine in die Mitte und schon passt es

Portomarin liegt an einem Stausee und wurden in den 60ern neu aufgebaut. Die beiden Kirchen wurden umgesetzt. In der grossen Kirche aus dem 12.Jahrhundert sitzt eine junge Frau und stempelt uns unser Credenzial. Wir brauch jetzt mindestens zwei Stempel jeden Tag, damit die Strecke als gepilgert gilt. Man koennte ja mit dem Auto oder Bus fahren… Nach einem Bocadillo und einem Cafe geht es weiter.

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Ein Regenbogen in der wunderschönen Ginsterlandschaft

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Kloster Samos nach Morgade – 100 Km vor Santiago

Im Regen laufen wir morgens von Samos los. Es geht erst an der Strasse entlang und dann quer durch die Berge Richtung der Hauptstrecke nach Sarria. Ich erlaufe mir die Kilometer, die ich kurz vor Villafranca mit dem Bus gefahren war, so wieder zu Fuss. Also weg mit dem schlechten Gewissen! Die Strecke ist nass, aber wunderschoen.

Kurz vor Sarrio stuerzt Konrad vor der Bar eines Refugios auf superglatten Fliesen. Gottseidank passiert aber nichts. Wir warten lagen auf einen Cafe. Als die Herbergsfrau nicht kommt, gehen wir weiter nach Sarrio. Dort gibt es dann einen Cafe und ein Bocadillo. Nach fast 30 Km kommen wir nach Morgade.

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Konrad (rechts), Silvia und ich sind am 100-km-Stein angekommen. Kurz darauf kommt noch ein zweiter 100er. Vermutlich sind beide zu weit gegriffen, denn durch den Flughafenbau ist die Strecke inzwischen erheblich länger. Daher hat man einfach auf den letzten 10 Km die Steine weggelassen

Inzwischen gibt es nur wenige grosse Orte. Meistens sind es nur kleine Weiler mit vielen Kuehen, ihren Haufen und einigen Hoefen. Und es kommt endlich der beruehmte Stein mit den 100 Km, ab denen es ernst wird, mit dem Pilgern. Eigentlich gibt es gleich zwei Steine. Ein tschechisches Ehepaar aelteren Datums fotografiert uns und wir sie.

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Endlich treffen wir auf unsere Brasilianerin – sie hat sich einen Dänen ausgeguckt

Morgade ist so ein kleiner Bauernhofort, ist aber toll renoviert. Es gibt abends ein klasse Essen und das Spiel Muenchen – Getafe, das superspannend fuer die Muenchener mit 3:3 ausgeht. Zuvor haben wir endlich die Camino-Brasilianerin kennengelernt, die einen Daenen geangelt hat oder vielleicht auch nicht. Er ist der Typ Wikinger, bringt ihr Englisch bei und ist sehr nett. Bei einigen Glas Wein kommen sie sich naeher?

Morgens gibt es noch Toastado und weiter gehts Richtung Hospital da Cruz.

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Vom Cebreiro zum Kloster Samos: Knorrige Baume und viel Moos

Endlich nach einigen Tagen wieder Internet. Hier gibt es viel weniger Moeglichkeiten zu schreiben, als auf dem ersten Teil des Weges. Und man muss suchen, bis man etwas findet.

O Cebreiro war ein Erlebnis inmitten des alten keltisch anmutenden Dorfes. Abends gab es ein tolles Essen am Kamin und danach einen Orujo. Die franzoesische Gruppe vom Vorabend ist wieder am Nebentisch. Leider sprechen sie nur franzoesisch und drei Worte Englisch. Trotzdem fragt mich der aeltere Franzose, der mit sechs gleichaltrigen Frauen unterwegs ist, ob ich nicht mit ihnen gehen moechte. ich weiss nicht. Ich hatte mich zehn Kilometer verlaufen und trotzdem war die Gruppe eine Stunde nach mir angekommen. Ich sage erstmal ja, mehr aus Hoeflichkeit.

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Unterwegs mit Konrad kurz vor Triacastela vor einem alten Pilgerbaum

Morgens um 8.00 Uhr kommt ploetzlich Konrad aus Koeln zu mir. Er ist 56 und arbeitet im Speditionsgeschaeft. Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und beschliessen, den Cebreiro gemeinsam abzusteigen. Ich sage den Franzosen ab, die meine Entscheidung hoffentlich verstehen.

Los geht es, mit dem Wandern und dem Regen. Sturm kommt auf. Spaeter hoere ich, dass es in Nordportugal und Spanien zu schweren Stuermen und Schaeden gekommen ist. Ich ziehe mir meinen Pilgerhut tief ins Gesicht, nachdem wir den dritten Pass ueberquert haben. Es geht steil bergab.

Ploetzlich sehe ich das junge Maedchen, das in Rabanal beim Fruehstueck neben mir gesessen hat. Bert meinte, sie sei wohl 18 Jahre. Offensichtlich hat sie sich verlaufen. Sie ist 200 m tiefer in einem Bachbett. Ich rufe und sage ihr, dass der Camino hier oben sei. Und mache noch ein Foto zur Erinnerung an meinen eigenen Umweg.

Einige Kilometer weiter in Tricastela treffen Konrad und ich sie wieder. sie laeuft in Sandalen, da sie Probleme mit den Fuessen hat. Konrad und ich hatten eine wunderbare Paella und eine reichliche Sekundo, dazu einen Flan als Nachtisch. Wir wollen weiter einen Umweg nach Samos, zum aeltesten Kloster der westlichen Welt, etwa vom 5/6. Jahrhundert. Eine tolle Anlage, die sich nach etlichen Kilometern an de Strasse und schliesslich an einem Bach entlang in einer verwunschenen Welt ploetzlich auftut. Fast wie Roncesvalles. Es hat fast die ganze Zeit geregnet…

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Das Kloster Samos aus dem 5/6 Jahrhundert – das älteste Kloster der westlichen Welt – und die Kosterherberge

Silvia ist mit uns gekommen. Sie kommt aus der Gegend um Augsburg und ist sehr nett. Schnell stellt sich heraus, dass sie nicht 18, sondern 29 Jahre ist und sich mit SAP-Maschinen als Betriebswirtin beschaeftigt. Silvia geht in die Pilgerhergerge des Klosters, wo die Klostergaeste hineinschauen und direkt auf die Betten sehen koennen. Konrad undich gehen in ein Hotel. Ein riesiger Bau mit vier Stockwerken. Trotzdem gibt es angeblich nur ein einziges Zimmer unter dem Dach fuer uns beide. Durch das Bad kommt man in das Doppelzimmer. Egal, es ist alles nass,w ir nehmen das Zimmer, duschen und schauen uns das tolle Kloster mit seinen zahlreichen Wandgemaelden an. Der Moench hatte ums als Peregrinos mit einer Gruppe Oesterreicher umsonst hinein gewunken. Wir sehe halt schon etwas abgerissen aus…

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Im Kloster gibt es zahlreiche Wandbilder aus vielen Epochen

Abends geht es mit einem Kanadier, einem Suedkoreander, einem 80-jaehrigen Spanier, seinem 67-jaehrigen belgischen Freund und Silvia zum Pilgeressen, bei dem wir viel Spass haben und ich einen Salat vorgesetzt bekomme, wie ich ihn in meinem Leben noch nicht gesehen habe. Tief und fest schlafe ich in unserem Zimmer.

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Der Barceloner Physikprofessor Raphal, links neben mir, ist schon 80 und zum vierten Mal auf dem Camino unterwegs

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Hart: Der Camino Duro nach O Cebreiro

Camino Duro – das ist der “harte Camino”. Jetzt kommen Schweiss und Traenen. Das Wetter ist ziemlich umgeschlagen. Es regnet jetzt fast dauernd. Und es ist kaelter geworden. Morgens trage ich jetzt meine neuen Handschuhe. Zuegig geht es auf der Landstrasse bergan. Ich will zunaechst nach La Faba auf 920 m Hoehe. Dort will ich eine Mittagspause machen und etwas essen. Es geht durch Vega de Valcarce und Ruitelan. Wegen des Regens lasse ich meinen Fuehrer stecken, damit er nicht durchweicht.

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Unten in Las Herreiras hätte ich nach La Faba abbiegen müssen – gehe aber 5 km in die falsche Richtung weiter

Es kann ja in dem engen Tal eigentlich nur in eine Richtung gehen. Kilometer weit gehe ich die Landstrasse hoch. Mir faellt auf, dass es schon lange keinen Pfeile mehr gab. Also doch den Fuehrer raus. Fassungslos blicke ich auf die Route. Da konnte doch nur Kerkeling passieren, hatte ich zu Hause noch schwadroniert. Ich hatte mich verlaufen. Bin fuenf unnuetze Kilometer auf einer langweiligen Landstrasse steil bergauf gelaufen. Jetzt muss ich die wieder herunter, denn nach La Faba geht es in ein Seitental ab. Macht zusammen zehn. Dabei waren es so schon 20 km der haertesten Etappe, die der Camino bietet.

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Steil, sehr steil geht es nach O Cebreiro hinauf

Bis nach Las Herreiras laufe ich und da sehe ich den gut sichtbaren gelben Pfeil. Selbst schuld! Also nach La Fabe durch ein schoenes Bachtal. Ich hatte von oben von der Landstrasse immer drauf gesehen und gedacht, wieso geht er Camino nicht dort lang. Sogar ein Foto hatte ich gemacht…

Nach La Faba geht es steil bergauf. Ich gerate das erste Mal an meine Grenzen und bin voellig erschoepft. Immer noch eine Kehre und noch eine. Dazu Regen und ein steiniger und matschiger Weg. Puhh! Als La Faba endlich auftaucht, freue ich mich wie selten auf die Bar. Ich bestelle ein Bier und irgendwas vom Schwein. Wir verstaendigen uns mit Fluegelschlagen fuer Huhn (Nein!) und Grunzen. Dann eben Grunzen!

Nebenan am Tisch bekommen Waldarbeiter fast ein halbes Schwein aufgedeckt. Sieht so ein bischen nach Eisbein aus. und was fuer eine Portion. Dann komme ich nie weiter den Berg rauf, denn 5 km sind es noch steil, sehr steil bergan nach O Cebreiro. Mein Teller wird dann aber ueberschaubarer, dazu gibt es einen tollen Salat und danach einen Flan. Mit zwei Bier und einer Dose Cola als Ueberlebensdosis auf der letzten Strecke zahle ich fuer alles 11 Euro. Da muss ich mich fast schaemen.

Nach zwei Kilometern in einem kleinen Weiler, in dem Kuehe und Bullen auf mich zu kommen, muss ich schon an meine Cola ran, um noch einen letzten Schub zu bekommen. Ich bin nach 30 km Berg ziemlich am Ende. Soll der Bulle mich doch auf die Hoerner nehmen. Ich trinke meine einzige Cola und schaue ihn frierend und erschoepft an. Er hat wohl Mitleid mit mir und laesst mich in Ruhe. Weiter geht es.

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Ländlich ist es in Galizien

Als die Kirche von Cebreiro aus dem Jahr 900, die aelteste am Weg, auftaucht, bin ich uebergluecklich. Allerdings steht auch gleich ein oesterreichischer Bus davor. Es haette keinen Kilometer laenger dauern duerfen. Als ich in die Kirche komme, wo ich einen wunderschoenen grossen mehrteiligen Stempel in mein Credenzial bekomme, halten die Oesterreicher eine kurze Messe ab und singen in der Kirche. Ich bin ergriffen und ueberwaeltigt und setze mich in die Bank. Fast werde ich katholisch, aber dann schwaermen die Oesterreicher aus und laufen fotografierend ueberall hin, sogar bis hinter Altar. Dann werden Andenken gekauft und so weiter. Es wird wieder sehr irdisch.

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Hostie und Messwein wurden zu Blut und Fleisch – Eine der ältesten Kirchen der Welt in O Cebreiro

Das Dorf sieht richtig keltisch aus, wie aus Asterix und Obelix. In der ersten Herberbe, in der ich frierend und nass frage, soll ich 40 Euro bezahlen. Ich suche weiter und finde eine viel schoenere fuer 30 Euro. Und Internet haben sie dort auch. Erstmal duschen, waschen, trocknen, aufatmen.

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O Cebreiro – ein keltisches Dorf in Galizien

Der schwerste Teil des Weges liegt hinter mir, der Camino Duro. Ich bin in Galizien mit seiner Hauptstadt Santiago de Compostella, meinem Ziel. Es sind noch 150 km. Ich bin wieder trocken und ich habe ein Bier. Ich bin gluecklich, denke nicht an morgen, wenn es wieder regnet.

Die Franzosen, die am letzten Abend neben mir gegessen haben, sind auch angekommen. Sie hatten sogar Schnee, Graupel und Sturm. Aber jetzt werde ich mein Pilgermenu geniessen… Morgen geht es weiter nach Santiago. Noch sechs Etappen, dass muesste zu schaffen sein.

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Mittelalterliches Ambiente Hostal in Cebreiro

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